Archiv der Kategorie: Politik

„Die Nato hat der Türkei den psychologischen Krieg erklärt“

Quelle: de.sputniknews.com

Türkischer Polizist

Die Spannungen zwischen der Nato und der Türkei nehmen nach dem Skandal um die „Feind“-Porträts des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und des Staatsgründers Mustafa Kemal Atatürk weiter zu. Die türkischen Politiker Erkan Akcay und Hasan Bitmez erläutern gegenüber Sputnik, wie es heute um die Beziehungen zwischen der Nato und der Türkei steht.

Laut Akcay, dem Vize-Vorsitzenden der Parlamentsfraktion der Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), ist die Türkei eines der größten Nato-Länder, die im Einklang mit dem Konzept sowie den Zielen der Allianz agiert. Dagegen sei aber leicht zu erkennen, dass die Nato ihren Verpflichtungen gegenüber der Türkei in den vergangenen Jahren nur kaum nachgekommen sei.

„Die Nato hat sich in ein Instrument von gegen die Türkei gerichteten Provokationen verwandelt und ist manchmal sogar Zentrum dieser Provokationen“, sagte der Politiker.

Er machte darauf aufmerksam, dass die Nato die Karten des im Jahr 1920 geschlossenen Vertrags von Sevres (durch den der Hedschas, Armenien und Mesopotamien unabhängig werden sollten) veröffentlicht habe, was vor allem bedeute, dass die Allianz einen „psychologischen Krieg“ gegen die Türkei beginne.„Deswegen sprechen wir davon, dass es nötig ist, die Zweckmäßigkeit der Nato-Mitgliedschaft der Türkei infrage zu stellen. Die Allianz demonstriert einige Züge, die für die der Türkei feindseligen Strukturen typisch sind“, so der Politiker weiter.

Akcay teilt nicht die Ansicht, dass der Nato-Ausstieg der Türkei schädigen würde: „Der Nato-Austritt sollte –genauso wie die Verhandlungen über den EU-Beitritt – nicht wie das Ende der Welt aufgefasst werden“, betonte er.

Hasan Bitmez, Vize-Vorsitzender der Tugendpartei (FP), betonte im Gespräch mit Sputnik, dass die Türkei passende Sicherheitkonzepte außerhalb der Nato-Systeme finden solle:„Es ist nicht daran zu denken, dass die Nato künftig die im Interesse der Türkei liegenden Schritte tun wird. Die Allianz will die Türkei als Schieber nutzen, der sie vor äußeren Gefahren schützt. Die Sicherheit der Türkei und die Sicherheit des Westens sind zwei verschiedene Sachen.“

Am Freitag hatte Erdogan erklärt, dass beim Nato-Manöver „Trident Javelin“ in Stavanger im Süden Norwegens das Porträt des Gründers der türkischen Republik Musafa Kemal Atatürk und sein eigener Name als „Feinde“ und „Ziele“ auf einer Übersichtskarte angeführt worden seien. Daraufhin zog er 40 türkische Soldaten von den Übungen ab.

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Der Niedergang der Nato

Quelle: www.voltairenet.org

Die Geschichte der Nato und ihre gegenwärtigen Aktivitäten machen verständlich, wie der Westen seine Lügen konstruiert hat und warum er in Zukunft deren Gefangener ist. Die Bestandteile dieses Artikels sind schockierend, aber es ist unmöglich, die Tatsachen zu widerlegen. Man kann sich höchstens an die Lügen klammern und die Augen auf Dauer schließen.

| Damaskus (Syrien)

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Bei ihrem Treffen in Istanbul am 13. Mai 2015 beenden die Führungskräfte der Nato ein feuchtfröhliches Essen. Sie machen sich lustig über die Dummköpfe, die ihre Reden von Frieden ernst nehmen und singen „We are the world“. In diesem unanständigen Video sind General Philip Breedlove, Jens Stoltenberg, Federica Mogherini und zahlreiche Verteidigungsminister zu erkennen.

Kürzlich wurde das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der Nato in Warschau abgehalten (7. und 8. Juli 2016). Es sollte den Triumph der Vereinigten Staaten über den Rest der Welt darstellen, in Wahrheit war es der Anfang des Zusammenbruchs.

Machen wir uns klar, was das Atlantikbündnis ist.

Was das Bündnis war

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als die europäischen Eliten in Panik gerieten bei der Vorstellung einer möglichen Machtübernahme durch kommunistische Parteien, stellten sie sich 1949 unter den „Schirm“ der Vereinigten Staaten. Die Absicht war vor allem, die Sowjets zu bedrohen, um sie von der Unterstützung der Kommunisten im Westen abzuschrecken.

Schrittweise dehnten die Staaten des Westens ihr Bündnis aus, insbesondere durch die Aufnahme Westdeutschlands, dem 1955 erlaubt worden war, sein Heer wieder aufzustellen. In Sorge über die Leistungsfähigkeit des Bündnisses reagierte die UdSSR sechs Jahre nach der Gründung der Nato mit der Gründung des Warschauer Paktes.

Doch die beiden Bündnisse entwickelten sich nach Art von Imperien weiter: auf der einen Seite die Nato, beherrscht von den Vereinigten Staaten und in geringerem Ausmaß von Großbritannien, auf der anderen Seite der Warschauer Pakt, beherrscht von der Sowjtunion. Tatsächlich war es unmöglich geworden, diese Strukturen aufzugeben. Die Nato zögerte nicht, Gladio zu benutzen, um Staatsstreiche zu organisieren und präventive politische Morde auszuführen, während der Warschauer Pakt offen Ungarn und die Tschechoslowakei überfiel, welche Unabhängigkeitsbestrebungen gezeigt hatten.

Bereits vor dem Fall der Mauer in Berlin machte die Sowjetunion Schluss mit diesem System. Michael Gorbatschow entließ jeden Mitgliedstaat des Warschauer Paktes in die Unabhängigkeit („My Way“), was er ironisch als seine „Sinatra-Dokrin“ bezeichnete. Als die UdSSR sich auflöste, trieben die Verbündeten auseinander und es waren mehrere Jahre der Stabilisierung nötig, bis die aktuelle Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) entstand. Unter Berücksichtigung der Irrtümer der Vergangenheit gründet sie sich auf die strikte Gleichheit der Mitgliedstaaten.

Anzumerken ist, dass die Nato wie der Warschauer Pakt Organisationen sind, die gegen die Charta der Vereinten Nationen verstoßen, denn die Mitgliedstaaten verlieren ihre Unabhängigkeit, wenn sie ihre Truppen unter das US-amerikanische oder das sowjetische Kommando stellen.

Im Gegensatz zu Russland sind die Vereinigten Staaten ein Imperium geblieben und benutzen weiterhin die Nato, um ihre Verbündeten herumzukommandieren. Das ursprüngliche Ziel, Druck auf die Sowjets zu machen, damit sie nicht den Kommunisten im Westen helfen, an die Macht zu kommen, hat keine Daseinsberechtigung mehr. Einzig die Bevormundung durch die Vereinigten Staaten bleibt.

1998 lieferte die Nato ihren ersten Krieg gegen einen winzigen Staat (das gegenwärtige Serbien), der sie in keiner Weise bedroht hatte. Langsam entwickelten die Vereinigten Staaten die Voraussetzungen für den Konflikt, bildeten die kosovarische Mafia auf der türkischen Militärbasis Incirlik im Terrorismus aus, organisierten eine Terrorkampagne in Serbien, beschuldigten dann die serbische Regierung, sie unverhältnismäßig heftig niederzuschlagen. Nachdem der Amboss die Mücke zerdrückt hatte, wurde in den Staatskanzleien festgestellt, dass das Bündnis zu schwerfällig und wenig effizient sei. Also wurden tiefgehende Reformen in Gang gesetzt.

Die Allianz seit dem 11. September 2001

Mit dem Verschwinden der UdSSR gab es weltweit keinen Staat mehr, der militärisch mit den Vereinigten Staaten und somit noch weniger mit der Nato konkurrieren konnte. Sie hätte normalerweise verschwinden müssen, aber das geschah nicht.

Zunächst tauchte ein neuer Feind auf: der Terrorismus. Dann schlug er in mehreren Hauptstädten des Bündnisses zu und zwang dadurch die Mitglieder, einander beizustehen.

Natürlich gibt es keine Relation zwischen dem, was der Warschauer Pakt war und einer Gruppe Bärtiger in einem Kellerversteck in Afghanistan. Aber alle Mitgliedstaaten der Nato taten so, als ob sie dies glaubten, weil sie keine Wahl haben: Das einzige Mittel, ihre Staatsbürger zu schützen, ist die Unterzeichnung der Nato-Kommuniqués, die Einhaltung der aufgenötigten einheitlichen Rede.

Trotz einer reichen historischen Literatur haben die Westmächte bis heute nicht verstanden, dass die Nato durch ihre besitzenden Klassen gegen sie geschaffen wurde und heute von den Vereinigten Staaten gegen ihre Eliten benutzt wird. Etwas anders liegt der Fall bei den baltischen Staaten und Polen, die erst vor kurzem in das Bündnis eingetreten sind und dadurch noch im ersten Stadium der Furcht der Eliten vor den Kommunisten stecken.

Der geografisch fast unbegrenzte Bereich des Bündnisses

Wäre die Nato ein Verteidigungsbündnis, so würde sie sich darauf beschränken, ihre Mitgliedstaaten zu verteidigen, aber stattdessen hat sie ihren geografischen Einsatzbereich erweitert. Bei der Lektüre des Abschlusskommuniqués von Warschau stellt man fest, dass sie sich überall einmischt: in Korea – wo die Vereinigten Staaten noch immer nicht den Friedensvertrag mit der demokratischen Republik unterzeichnet haben –, in Afrika – wo das Pentagon nach wie vor hofft, das AfriCom unterbringen zu können. Der einzige Teil der Welt, der ihr entgeht, ist Lateinamerika, die für Washington vorbehaltene Zone („Monroe Doktrin“). An jedem beliebigen Ort werden die Vasallen des Pentagon aufgefordert, ihre Soldaten zur Verteidigung der Interessen ihres Lehnsherren auszusenden.

Das Bündnis ist heute in alle Kriege verwickelt. 2011 koordinierte es den Sturz Libyens, nachdem der Kommandant des AfriCom, General Carter Ham, gegen die Verwendung von al-Qaida zum Umsturz Muammar Gaddafis protestiert hatte. Seit der Einrichtung des Allied Land Command 2012 in Izmir in der Türkei hat es auch den Krieg in Syrien koordiniert.

Nach und nach wurden auch nichteuropäische Staaten mit verschiedenen Beteiligungsgraden in die Nato integriert. Die zeitlich jüngsten sind Bahrain, Israel, Jordanien, Qatar und Kuwait, die alle seit dem 4. Mai ein Büro am Sitz des Bündnisses haben.

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Der neue Sitz der Allianz in Brüssel wurde für die bescheidene Summe von einer Milliarde Dollar erbaut.

Was das Bündnis heute ist

Jeder Mitgliedstaat wird gebeten, sich zu bewaffnen, um an den nächsten Kriegen teilzunehmen, und dafür zwei Prozent seines BIP zu opfern, auch wenn man tatsächlich noch weit entfernt ist von diesem Ziel. Die Waffen müssen kompatibel mit den Nato-Normen sein, es wird darum gebeten, sie in Washington einzukaufen.

Sicherlich sind Reste nationaler Rüstungsproduktion erhalten, aber nicht für sehr lange. So hat im Laufe der letzten zwanzig Jahre die Nato systematisch gedrängt, die militärische Luftfahrtindustrie ihrer Mitgliedstaaten, mit Ausnahme der in den Vereinigten Staaten, zu zerstören. Das Pentagon kündigte die Entwicklung eines Mehrzweckkampfflugzeuges zu einem unschlagbaren Preis an, den F-35 Joint Strike Fighter. Alle Staaten haben ihn bestellt und ihre eigenen Fabriken geschlossen. Zwanzig Jahre später ist das Pentagon noch immer nicht in der Lage, ein einziges dieser Kampfflugzeuge für alle Zwecke zu produzieren und muss auf den Rüstungsmessen zusammengebastelte F-22 vorstellen. Bei den Kunden wird ständig um Finanzierung der Forschung ersucht, während der Kongress die Wiederaufnahme der Produktion der alten Flugzeuge untersucht, denn wahrscheinlich wird die F-35 nie realisiert werden.

Die Nato funktioniert also wie ein Unternehmen zur Schutzgelderpressung: Jene, die nicht zahlen, müssen terroristische Attentate aushalten.

Nachdem die Vereinigten Staaten ihre Verbündeten in die Abhängigkeit von ihrer Rüstungsindustrie getrieben hatten, hörten sie auf, sie weiter zu entwickeln. Währenddessen hat Russland seine Rüstungsindustrie neu aufgebaut und China ist dabei, dies zu erreichen. Bereits jetzt haben die russischen Streitkräfte das Pentagon in konventioneller Ausrüstung überholt. Das System, das sie im Westen Syriens, im Schwarzen Meer und in Kaliningrad stationieren konnten, erlaubt ihnen, die Nato-Befehle zu blockieren, weshalb die Nato auf die Überwachung dieser Regionen verzichten musste. Und für die flugtechnische Ausrüstung stellt Russland bereits Mehrzweckkampfflugzeuge her, die die Piloten der Allianz vor Neid erblassen lasssen. China dürfte ebenfalls in konventioneller Ausrüstung die Nato innerhalb der beiden nächsten Jahre überholen.

Die Verbündeten erleben also den Niedergang der Allianz, der auch der ihre ist, mit Ausnahme von Großbritannien ohne zu reagieren.

Der Fall Daesh

Nach der Hysterie Anfang der 2000er Jahre in Bezug auf al-Qaida bedroht uns ein neuer Feind: der Islamische Staat im Irak und in der Levante, „Daesch“. Alle Mitgliedstaaten sind aufgefordert, der „weltweiten Koalition“ (sic) beizutreten und ihn zu besiegen. Der Warschauer Gipfel hat sich beglückwünscht zu den im Irak und selbst in Syrien errungenen Siegen trotz „dem militärischen Eingreifen Russlands, seiner bedeutenden militärischen Präsenz und seiner Unterstützung des Regimes“, die eine „Gefahrenquelle und zusätzliche Herausforderungen für die Sicherheit der Verbündeten bilden“ (sic) [1].

Nachdem jeder sehr wohl verstanden hat, dass der Islamische Staat 2006 von den Vereinigten Staaten gegründet worden war, versichert man uns nun, die Organisation habe sich jetzt gegen die USA ausgerichtet, wie man es uns schon hinsichtlich al-Qaida vorgesetzt hatte. Dennoch kam am 8. Juli, während die Syrische Arabische Armee verschiedene terroristische Gruppen, darunter Daesch, im Osten von Homs bekämpfte, die Luftwaffe der Vereinigten Staaten diesen Gruppen zuhilfe und deckte sie vier Stunden lang. Diese Zeit wurde von Daesh genutzt, um systematisch die Pipeline zu zerstören, die Syrien mit dem Irak und Iran verbindet. Und bei den Attentaten des 4. Juli in Saudi-Arabien (insbesondere gegenüber der US-Botschaft in Jeddah, auf der anderen Straßenseite) benutzte Daesch High-Tech-Militärsprengstoff, über den heute nur das Pentagon verfügt. Es ist somit nicht schwer zu begreifen, dass das Pentagon mit der einen Hand Daesch in bestimmten Gebieten bekämpft, während es ihm mit der anderen Hand in anderen Gebieten Waffen liefert und logistische Unterstützung gibt.

Das ukrainische Beispiel

Der andere Buhmann ist Russland. Seine „aggressiven Handlungen (…) einschließlich seiner provozierenden militärischen Aktivitäten an der Peripherie des Nato-Territoriums und seine erwiesene Absicht, politische Ziele durch Drohung oder Gewaltanwendung zu erreichen, bilden eine Quelle regionaler Instabilität, stellen eine fundamentale Herausforderung für das Bündnis dar“ (sic).

Das Bündnis wirft ihm die Annexion der Krim vor, was korrekt ist, wobei es den Kontext dieser Annexion unterschlägt: den von der CIA in Kiew organisierten Staatsstreich und die Einsetzung einer Regierung, zu der Nazis gehören. Kurz, die Nato-Mitglieder haben sämtliche Rechte, während Russland die Verträge verletzt, die es mit der Allianz geschlossen hat.

Der Gipfel von Warschau

Der Gipfel hat den Vereinigten Staaten nicht erlaubt, alle Lücken zu schließen. Großbritannien, das soeben seiner „besonderen Beziehung“ ein Ende setzte, indem es aus der Europäischen Union austritt, weigerte sich, seine Beteiligung an der Allianz zu steigern, um die Belastungen, die es in der EU aufgekündigt hat, wettzumachen, Um Fragen auszuweichen, ging London in Deckung hinter seinem kommenden Regierungswechsel.

Höchstens zwei Entscheidungen konnten getroffen werden: permante Militärstützpunkte an der russischen Grenze einzurichten und den Raketenabwehrschild zu entwickeln. Da die erste Entscheidung im Gegensatz zur Verpflichtung der Nato steht, griff man zu der Vorgehensweise, dass die Truppen sich so abwechseln, dass es kein permanentes Kontingent gibt, aber immer Soldaten anwesend sein werden. Die zweite besteht darin, das Staatsgebiet der Verbündeten zu nutzen, um US-Soldaten und ein Waffensystem dorthin zu entsenden. Um die Bevölkerung der Länder, die sie besetzen werden, nicht zu kränken, haben die Vereinigten Staaten es akzeptiert, den Raketenschutzschild nicht unter ihr Kommando, sondern das der Nato zu stellen. Das bedeutet nur auf dem Papier eine Veränderung, denn der oberste Befehlshaber des Bündnisses, zur Zeit General Curtis Scaparrotti, ist zwangsläufig ein US-amerikanischer Offizier, der allein durch den Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt wird.

Übersetzung
Sabine

Was Sie nicht von der Bilderberg Gruppe wissen

Quelle: von Thierry Meyssan in www.voltairenet.org

Seit mehreren Jahren hat sich die Idee verbreitet, dass die Bilderberg Gruppe der Ansatz der Weltregierung wäre. Dank des Zugangs zu Archiven des sehr geheimen Klubs zeigt Thierry Meyssan, dass diese Beschreibung eine falsche Spur ist, um die wirkliche Identität und Funktion der Gruppe zu verbergen: der Bilderberg ist eine Schöpfung der NATO. Er zielt darauf ab, die Leader zu überzeugen und durch sie die öffentliche Meinung zu manipulieren, damit sie die Bilderberg-Konzepte annimmt und die Aktionen der Allianz teilt.

| Moskau (Russland)

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Erste Versammlung der Gruppe im Bilderberghotel (1954)

Jedes Jahr seit 1954 versammeln sich ungefähr hundert der eminentesten Personalitäten West-Europas und Nord-Amerikas – unter Ausschluss der Öffentlichkeit und unter sehr hoher Bewachung – innerhalb der Bilderberg Gruppe. Ihr Seminar dauert drei Tage und nichts von ihren Diskussionen filtert nach draußen.

Seit der Auflösung der Sowjetunion machten sich Journalisten daran, etwas von dieser elitären und geheimen Organisation zu erfahren. Manche Autoren sahen in ihr den Keim einer Weltregierung und ordneten ihr die wichtigsten politischen, kulturellen, wirtschaftlichen und militärischen Beschlüsse der zweiten Jahrhunderthälfte zu. Dies war eine von Fidel Castro verbreitete Hypothese, die jedoch in keiner Weise bestätigt noch entkräftet wurde.

Um zu erfahren was die Bilderberg Gruppe ist oder nicht ist, habe ich Dokumente und Zeugen gesucht. Ich hatte Zugang zu den gesamten Archiven der Periode 1954-1966 und zu zahlreichen Stücken späterer Zeit und konnte mit einem seiner ehemaligen Gäste sprechen, den ich schon seit Langem kenne. Kein einziger Journalist, und sicherlich auch nicht die Erfolgsautoren, die diese Klischees verbreitet haben, hatten zu so vielen internen Bilderberg-Dokumenten Zugang.

Hier also was ich entdeckt und verstanden habe:

Die erste Versammlung

70 Persönlichkeiten aus 12 Ländern nehmen an der ersten Versammlung der Gruppe teil. Es ist ein dreitägiges Seminar, vom 29. bis zum 31. Mai 1954, nahe bei Arnheim (Niederlande). Die Gäste sind in zwei nahestehenden Hotels untergebracht, aber die Gespräche werden im Hauptgebäude, das der Gruppe seinen Namen gegeben hat, abgehalten.

Die Einladungen mit Briefkopf des Soestdijkpalastes sind rätselhaft: „Ich würde ihre Gegenwart am internationalen Kongress aufs Innigste schätzen, der ohne offiziellen Charakter in den Niederlanden gegen Ende Mai stattfinden wird. Dieser Kongress soll eine gewisse Zahl von Fragen von größter Bedeutung für die westliche Zivilisation studieren und hat das Ziel, den goodwill und das reziproke Verständnis durch einen freien Meinungs-Austausch zu fördern“. Sie sind von Prinzgemahl der Niederlande, Bernhard zu Lippe-Biesterfeld unterschrieben und von einigen Seiten administrativer Informationen für den Transport und die Unterkunft begleitet. Man kann nur erfahren, dass die Beauftragten von den USA und 11 westeuropäischen Ländern kommen werden, und dass 6 Arbeits-Sitzungen von dreistündiger Dauer vorgesehen sind.

Wegen der Nazi-Vergangenheit des Prinz Bernhard (der in der SS-Kavallerie gedient hat bis zu seiner Hochzeit 1937 mit Prinzessin Juliana) und der McCarthy-Epoche, ist es klar, dass die „ Fragen größter Bedeutung für die westliche Zivilisation“ sich um den Kampf gegen den Kommunismus drehen.

An Ort und Stelle wird der Eindruck der Gäste durch zwei vorsitzende Präsidenten gemäßigt: der US-Unternehmer John S. Coleman und der aus dem Amt kommende belgische Außenminister Paul van Zeeland. Der erste ist ein Aktivist des freien Unternehmens, der zweite, ein Partisan der Europäischen Verteidigungs-Gemeinschaft (EVG) [1]. Zuletzt sieht man am Ende der Tribüne Joseph Retinger, die graue Eminenz der Briten. Dies alles lässt ahnen, dass die holländische und britische Monarchien dieses Treffen gesponsert haben, um die Europäischen Verteidigungs-Gemeinschaft und das wirtschaftliche Model des kapitalistischen Freien Handels zu stützen, gegen den von Kommunisten und Gaullisten geförderten Antiamerikanismus.

Der äußere Eindruck jedoch täuscht. Es handelt sich nicht um Kampagne für die EVG zu führen, sondern die Eliten für den kalten Krieg zu mobilisieren.

S.H. Prinz Bernhard wurde ausgewählt um diesen Kongress zu organisieren, weil sein Stand als Prinzgemahl ihm einen staatlichen Charakter verleit, ohne dabei offiziell zu sein. Er verbirgt den Auftraggeber: eine Inter-Regierungs-Organisation die Regierungen gewisser Mitglieds-Staaten manipulieren wird.

John S. Coleman ist noch nicht Präsident der US-Handelskammer, aber er hat gerade das Bürgerkomitee für eine nationale Handelspolitik geschaffen (Citizen’s Committee for a National Trade Policy — CCNTP). Laut ihm, gestattet der absolute freie Handel, d.h. vollkommenes Verzichten auf jegliche Zollrechte, den mit USA alliierten Ländern, ihren Wohlstand zu vergrößern und die Europäische Verteidigungs-Gemeinschaft zu finanzieren (d.h. Deutschland aufzurüsten und seine potentielle militärische Macht der NATO einzugliedern).

Nun zeigen die in unseren Händen befindlichen Dokumente, dass der CCNTP nichts mit Bürgertum zu tun hat. Es ist in Wirklichkeit eine Initiative von Charles D. Jackson, dem Berater des Weißen Hauses für psychologischen Krieg. Die Operation ist von oben her gesteuert durch William J. Donovan, den ehemaligen OSS (das US-Abwehr-Amt während des Krieges) Kommandanten, der jetzt aber mit dem Bau des US-Zweiges des neuen Geheimdienstes der NATO, dem Gladio beauftragt ist [2].

Paul van Zeeland ist nicht nur der Promotor der Europäischen Verteidigungs-Gemeinschaft, er ist auch ein Politiker mit großer Erfahrung. Nach der Befreiung präsidierte er die unabhängige Liga der europäischen Kooperation (LICE) deren Objektiv es war, eine Zoll- und Währungsunion zu schaffen. Diese Organisation war von Joseph Retinger, (siehe oben) ins Leben gerufen worden.

Es ist genau Retinger, der den Sekretär des Bilderbergkongresses spielt, und welcher während des Krieges im Dienst des englischen Geheimdienstes (SOE) unter General Colin Gubbins stand. Als polnischer Abendteurer, wurde Retinger Ratgeber der Sikorsky-Regierung im Exil in Großbritannien. Er belebte in London den Mikrokosmos der Exilregierungen, wodurch er sich ein wunderbares Adressbuch des befreiten Europas aufstellen konnte.

Sein Freund Sir Gubbins verließ offiziell den Dienst und der SOE wurde aufgelöst. Er leitet eine kleine Teppich und Textil Firma, die als „Deckmantel“ fungiert. In Wirklichkeit ist er neben seinem Kollegen Donovan mit der Aufgabe betraut, den britischen Zweig des Gladio aufzubauen. Er hat an allen Vorbereitungsarbeiten des Bilderbergkongresses mitgearbeitet und gehört zu den Gästen, am Verhandlungstisch neben Charles D. Jackson platziert.

Ohne dass die Teilnehmer es wussten, sind es die Geheimdienste der NATO, die Einladungen ausgaben. Bernhard, Coleman und van Zeeland fungieren als Deckmantel.

Ob es nun den erfindungsreichen Journalisten, die im Bilderberg den Willen gesehen haben, eine geheime Weltregierung zu schaffen, gefällt oder nicht, ist dieser Klub einflussreicher Persönlichkeiten nur ein Werkzeug der NATO-Lobby, um ihre Interessen zu fördern. Dies ist wesentlich ernster und viel gefährlicher, weil es die NATO ist, welche anstrebt, eine okkulte Weltregierung zu sein, die den Fortbestand des internationalen status quo und des US Einflusses garantiert.

Übrigens wird die Sicherheit aller folgenden Sitzungen nicht durch die Polizei des Gastlandes gewährt werden, sondern durch die Soldaten der Allianz.

Unter den sechs angemeldeten Rednern erkennt man zwei ehemalige Premierminister (Guy Mollet, Frankreich und Alcide de Gasperi, Italien), drei Verantwortliche des Marshallplans, den Falken des Kalten Krieges (Paul H. Nitze) und vor allem einen sehr mächtigen Finanzmann (David Rockefeller).

Auf Grund der Vorbereitungsdokumente sind ungefähr zwanzig Teilnehmer ins Geheimnis eingeweiht. Sie wissen mehr oder weniger genau, wer die Drahtzieher sind und haben im Voraus ihre Mitteilungen geschrieben. Die kleinsten Details wurden ausgefeilt und nicht die geringste Improvisierung ist am Werk. Im Gegenteil, die fünfzig anderen Teilnehmer haben keine blasse Ahnung von dem, was da vorgeht. Sie wurden ausgewählt, um ihre eigenen Regierungen und die öffentliche Meinung ihres Landes zu beeinflussen. Das Seminar ist also derart organisiert, um sie zu überzeugen und dahinzuführen, dass sie die Ideen verbreiten, die man verbreiten will.

Die Stellungnahmen betreffen nicht die großen, internationalen Probleme, sondern untersuchen die vermeintliche ideologische Strategie der Sowjetunion und die Art, wie sie von der „freien Welt“ gekontert werden soll.

Die ersten Stellungnahmen bewerten die kommunistische Gefahr. Die „bewussten Kommunisten“ sind Menschen, die ihr Vaterland zu Nutzen der Sowjetunion einsetzen wollen, um der Welt ein kollektivistisches System aufzuzwingen. Sie müssen bekämpft werden. Aber dieser Kampf ist schwierig, da diese „bewussten Kommunisten“ in Europa in der kommunistisch wählenden Masse versteckt sind, Masse, die nichts von ihren düsteren Zielen weiß und ihnen in der Hoffnung auf bessere soziale Verhältnisse folgt.

Allmählich erhärtet sich die Rhetorik. Die „freie Welt“ sollte dem „welt-kommunistischen Komplott“ entgegentreten, nicht nur auf allgemeiner Art, sondern auch mit Antworten auf konkrete Fragen, die die US-Investitionen in Europa oder die Dekolonisierung betreffen.

Endlich kommen die Redner zum Hauptproblem – welches die Sowjetunion, behaupten sie, zu ihrem Nutzen ausbeutet -: aus kulturellen und historischen Gründen benützen die politischen Führer der „freie Welt“ in den USA und in Europa verschieden Argumente, die einander manchmal widersprechen. Der bekannteste Fall ist jener der Säuberungsaktion, die von Senator McCarthy organisiert wurde. Sie sei unumgänglich, wenn man die Demokratie retten wollte, aber diese Methode würde in Europa als totalitär angesehen.

Die Schlussbemerkung ist, dass es keine diplomatischen Verhandlungen, keinen Kompromiss mit den « Roten“ geben könnte. Man müsse um jeden Preis die Kommunisten daran hindern, eine Rolle in Westeuropa zu spielen, jedoch List sei dazu geboten: da man sie nicht festnehmen und erschießen kann, müsste man sie mit Diskretion neutralisieren, ohne dass selbst ihre Wähler es bemerkten. Kurz gesagt ist die entwickelte Ideologie, die der NATO und des Gladio. Niemals wurde gesagt, man sollte die Wahlen fälschen, oder die Leute mit schwacher Überzeugung ermorden, aber alle Teilnehmer waren sich einig, man müsste die Freiheit in Klammern setzen, wenn man die „freie Welt“ retten wollte.

Obwohl das Projekt der Europäischen Verteidigungs-Gemeinschaft (EVG) drei Monate später unter dem groben Ausfall der kommunistischen Abgeordneten und den „National-Extremisten“ (d.h. den Gaullisten) im französischen Parlament abstürzte, wurde der Kongress als erfolgreich betrachtet. Trotz des Anscheins hatte es nicht zum Ziel, die EVG oder jegliche andere politische präzise Maßnahme zu schaffen, sondern die Ideologie der herrschenden Klasse zu verbreiten, und durch sie, in die Gesellschaft zu dringen. Objektiver Weise hatten die Westeuropäer immer weniger das Bewusstsein, dass ihre Freiheit eingeengt wurde und sie immer mehr über den Mangel an Freiheit der Bewohner der Ostblockländer hörten.

Der Bilderberg wird eine Organisation

Ein zweiter Kongress wird in Frankreich, in Barbizon organisiert, vom 18. bis 20. März 1955.

Allmählich zwingt sich die Idee auf, dass dieser Kongress sich jährlich abhalten sollte und dass er ein permanentes Sekretariat brauchte. Prinz Bernhard zieht sich zurück, als er auf frischer Tat passiver Bestechung ertappt wurde, im Lockheed-Martin Skandal. Er überlässt den Vorsitz dem ehemaligen britischen Premierminister Alec Douglas Home (1977-80), welcher dann vom ehemaligen deutschen Kanzler und Präsidenten Walter Scheel (1981-85) eingenommen wird. Dann kommen der ehemalige Gouverneur der britischen Bank Eric Roll (1986-89), der ehemalige Generalsekretär der NATO Peter Carrington (1990-98), und endlich der ehemalige Vize-Präsident der Europäischen Kommission Étienne Davignon (seit 1999).

Für lange Zeit ist der Präsident der Bilderberg-Gruppe von zwei Generalsekretären umgeben, einem für Europa und Kanada (die Vasall Staaten), dem anderen für die USA (der Lehnsherr), aber seit 1999 gibt es nur mehr einen einzigen Generalsekretär.

Vom einen zum anderen Jahr sind die Debatten sehr ähnlich, weshalb die Gäste gewechselt werden. Es gibt immer einen harten Kern, der das Seminar im Voraus ausgearbeitet hat und die Neulinge, denen man die momentane atlantische Rhetorik beibringt.

Derzeit versammeln sich in den alljährlichen Seminaren mehr als 120 Teilnehmer, wovon ein Drittel immer den harten Kern bildet. Sie wurden von der Allianz in Abhängigkeit von ihren wichtigen Beziehungen und ihrer Einflussstärke ausgewählt, unabhängig von ihrer Position in der Gesellschaft. Somit bleiben sie Mitglieder des harten Kerns, wenn sie ihre Position wechseln.

Hier folgend, die genaue Liste des harten Kerns, mit den Mitgliedern des Ausschusses, die als Aushängeschild für die Gäste fungieren, und die weniger sichtbaren Mitglieder, um die Neu- angekommenen nicht abzuschrecken.

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Étienne Davignon, Generalsekretär der Bilderberg Gruppe

Ausschuss

Josef Ackermann Schweizer Bankier, Direktor der Deutschen Bank, Vize-Präsident des Davosforums.
Roger C. Altman US-Bankier, ehemaliger Berater für Wahlkampagnen von John Kerry und Hillary Clinton, Direktor der Investitionsbank Evercore Partners Inc.
Francisco Pinto Balsemão Ehemaliger sozialistischer Premierminister von Portugal (1981-83), Gründer-Präsident des größten portugiesischen TV Konzerns SIC. (T)
Fran Bernabè Italienischer Bankier, heute Besitzer der Telecom Italia (T)
Henri de Castries Präsident Generaldirektor der französischen Versicherung AXA
Juan Luis Cebrián Direktor der spanischen Pressegruppe und TV Prisa.
W. Edmund Clark Kanadischer Bankier, Präsident Direktor-Gründer der Toronto-Dominion Bank Financial Group
Kenneth Clarke Ehemaliger Vizepräsident von British American Tobacco (1998-2007), britischer Justizminister, Vizepräsident der Europäischen Bewegung UK.
George A. David Präsident Generaldirektor von Coca-Cola.
Étienne Davignon Belgischer Geschäftsmann, ehemaliger Vizepräsident der Europäischen Kommission (1981-85), derzeit Vizepräsident von Suez-Tractabel.
Anders Eldrup Präsident Generaldirektor der dänischen Firma Gas und Öl DONG Energy.
Thomas Enders Direktor von Airbus.
Victor Halberstadt Ökonomieprofessor der holländischen Universität Leiden, Berater verschiedener Firmen wie Goldman Sachs oder Daimler-Chrysler.
James A. Johnson US Finanzmann, einer der wichtigsten Verantwortlichen der Demokratischen Partei und Urheber der Investitur von B. Obama. Vizepräsident der Geschäftsbank Perseus.
John Kerr of Kinlochard Ehemaliger Botschafter Großbritanniens in Washington, Vizepräsident von der Ölfirma Royal Dutch Shell (T).
Klaus Kleinfeld Deutscher Präsident Generaldirektor des US-Giganten für Aluminium, Alcoa.
Mustafa V. Koç Präsident Generaldirektor der Holding Koç, erste türkische Firma
Marie-Josée Drouin-Kravis Ökonomie-Leitartiklerin in der schriftlichen und audiovisuellen kanadischen Presse. Forscher im sehr militaristischen Hudson-Institute. Dritte Ehefrau von Henry Kravis.
Jessica T. Mathews Ehemalige Leiterin der Globalen Sachen im Nationalen Sicherheitsrat der USA. Derzeit Direktor der „Foundation Carnegie“.
Thierry de Montbrial Ökonom, Gründer-Direktor des französischen Instituts für Internationale Verbindungen (IFRI) und der World Policy Conference.
Mario Monti Italienischer Ökonom, ehemaliger Europäischer Kommissar für Konkurrenz (1999-2005), Mit-Begründer der Spinelli-Gruppe für Europäischen Föderalismus.
Egil Myklebust Ehemaliger Präsident der norwegischen Arbeitgeberschaft, Direktor von Scandinavian Airlines System (SAS).
Matthias Nass Vize-Direktor der deutschen Tageszeitung Die Zeit
Jorma Ollila Finnischer Geschäftsmann, ehemaliger Präsident Generaldirektor von Nokia, derzeit Präsident der Ölfirma Royal Dutch Shell.
Richard N. Perle Finnischer Geschäftsmann, ehemaliger Präsident Generaldirektor von Nokia, derzeit Präsident der Ölfirma Royal Dutch Shell.
Heather Reisman Kanadische Geschäftsfrau, Präsident Generaldirektor der Verlegergruppe Indigo-Chapters.
Rudolf Scholten Ehemaliger österreichischer Finanzminister, Gouverneur der Zentralbank.
Peter D. Sutherland Ehemaliger irischer Europäischer Kommissar für die Konkurrenz, dann Generaldirektor des World Trade Organization (WTO). Ehem. Direktor von BP. Derzeit Präsident von Goldman Sachs International. Ehem. Präsident der europäischen Sektion der Trilateral Kommission und Vize-Präsident der European Round Table of Industrialists, derzeit Ehren-Präsident der Europäischen Bewegung Irland.
J. Martin Taylor Ehem. Britischer Abgeordneter, Präsident Generaldirektor des Chemie- und Agroaliment Giganten Syngenta.
Peter A. Thiel US-Firmenchef, Präsident Generaldirektor von Paypal, Präsident von Clarium Capital Management und dadurch Aktionär von Facebook.
Daniel L. Vasella Präsident Generaldirektor des Schweizer Pharmakonzerns Novartis.
Jacob Wallenberg Schwedischer Bankier, Verwalter von zahlreichen transnationalen Firmen.
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Henry Kissinger, Hauptverantwortlicher der Einladungen zur Bilderberg Gruppe

Unsichtbare Mitglieder des harten Kerns

Carl Bildt Ehem. Premierminister liberal von Schweden (1991-94), ehem. Gesandter der EU und dann der UNO im Balkan (1995-97, 1999-2001), derzeit schwedischer Außenminister (T).
Oscar Bronner Präsident Generaldirektor der österreichischen Tageszeitung Der Standard.
Timothy C. Collins US-Finanzmann, Direktor des Fond Ripplewood. (T)
John Elkann Präsident Generaldirektor des italienischen Automobil-Konzerns Fiat (sein Großvater Gianni Agnelli war während 40 Jahren ein aktives Bilderberg Mitglied. Er hat das Familienvermögen nach dem Tod seines Großvaters und des vorzeitigen Todes von seinem Onkel Edoardo geerbt. Polizeiquellen sind jedoch überzeugt, dass Edoardo ermordet wurde, nachdem er sich zum schiitischen Islam bekehrt hatte, sodass das Vermögen dem jüdischen Zweig der Familie zukommt).
Martin S. Feldstein Ehem. Wirtschaftsberater von Ronald Reagan (1982-84), und derzeit Wirtschaftsberater von B. Obama. Er war auch Berater von George W. Bush für die Außen Abwehr. Er lehrt auf Harvard. (T).
Henry A. Kissinger Ehem. Nationaler Sicherheitsberater der USA und Staatssekretär, zentrale Personalität des US-Militär-Industriellen Komplexes, derzeit Präsident der Beratungs-Gesellschaft Kissinger Associates.
Henry R. Kravis US-Finanzmann, Verwalter des Fond KKR. Er ist der Hauptkollektor für Fond der Republikanischen Partei.
Neelie Kroes Ehem. liberale Holländische Ministerin für Transport, Euro-Kommissar für die Konkurrenz und derzeit Kommissar der numerischen Gesellschaft.
Bernardino Léon Gross Spanischer Diplomat, Generalsekretär des Präsidiums der sozialistischen Regierung von José-Luis Zapatero.
Frank McKenna Ehem. Mitglied der Aufsichtskommission der kanadischen Geheimdienste, Botschafter von Kanada in Washington (2005-06), Vize-Präsident der Bank Toronto-Dominion.
Beatrix des Pays Bas Königin der Niederlande. Sie ist die Tochter von Prinz Bernhard.
George Osborne Britischer Finanzminister. Dieser Neo-Konservative wird als Euro-Skeptiker betrachtet. Man muss da verstehen, dass er einer Teilnahme Großbritanniens an der EU entgegensteht, aber Partisan für eine Organisation des Kontinentes innerhalb der Union ist.
Robert S. Prichard Kanadischer Ökonom, Direktor des Presse- und TV-Konzerns Torstar.
David Rockefeller Der Patriarch einer alten Dynastie von Finanzmännern. Er ist das älteste Hartkernmitglied der Bilderberger. Er ist auch Präsident der Trilaterale Commission, einer ähnlichen Organisation, die auch asiatische Mitglieder hat.
James D. Wolfensohn Australischer Finanzmann der die US-Bürgerschaft angenommen hat, um Weltbankpräsident zu werden (1995-2005). Heute Direktor des Beratungskabinetts Wolfensohn & Co.
Robert B. Zoellick US Diplomat, ehem. Staatsekretär für Handel der USA (2001-05), heute Präsident der Weltbank.
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David Rockefeller, Berater der Bilderberg Gruppe

Die Bilderberger engagieren nicht die Firmen oder Institute, in welchen sie aktiv sind. Jedoch ist es interessant die Vielfalt ihrer Aktivitätssektoren zu beobachten.

Die Lobby der mächtigsten Militärorganisation der Welt

Im Laufe der letzten Jahre war die Zahl der angeschnittenen Themen während der jährlichen Seminare, der internationalen Aktualität angemessen, angestiegen. Aber dies lehrt uns nichts, weil diese Diskussionen für sich selbst nichts bedeuten, sie sind nur ein Vorwand um Ideen zu verbreiten. Leider haben wir keinen Zugang zu den Vorbereitungsdokumenten der neuesten Seminare gehabt und können nur ahnen, welche Losungen die NATO versucht, durch ihre Meinungsleader zu verbreiten.

Der Ruf der Bilderberg Gruppe hat gewisse Autoren dazu geführt, ihr die Fakultät zu erleihen, Ernennungen bewirken zu können. Dies ist sinnlos und vertuscht die wahren Drahtzieher die sich im Inneren der Allianz befinden.

Zum Beispiel hat man erzählt, dass während der letzten Präsidentschaftswahlkampagne in den USA, Barack Obama und Hillary Clinton während eines Tages, dem 6. Juni 2008 verschwunden seien, um in aller Stille das Ende ihrer Rivalität auszuhandeln. In Wirklichkeit sind sie zum jährlichen Seminar der Bilderberg Gruppe in Chantilly (Virginia USA) gegangen. Am nächsten Morgen erklärte nun Frau Clinton, sie zöge sich von dem Wettbewerb zurück. Manche Autoren haben daraus geschlossen, dass diese Entscheidung im Laufe der Bilderberg Versammlung gefallen wäre. Dies ist nicht logisch, da diese Entscheidung seit drei Tagen schon sicher war, angesichts der Zahl der Stimmen in dem Investitionskomitee der Demokratischen Partei zu Gunsten von Senator Obama.

Unserer Quelle nach ist etwas anderes passiert. Barack Obama und Hillary Clinton haben abseits ein finanzielles und politisches Abkommen getroffen. Senator Obama hat die Kasse seiner Rivalin wieder flottgemacht und ihr einen Posten in seiner Verwaltung angeboten (Frau Clinton hat den Vize-Präsidentenposten zurückgewiesen und das Staatsdepartement gewählt) gegen eine aktive Unterstützung seiner Kampagne gegen den Kandidaten der Republikaner.

Dann wurden die beiden Leader durch James A. Johnson im Bilderberg Seminar eingeführt, wo sie versicherten, zusammen zu arbeiten. Seit langer Zeit schon war B. Obama der Kandidat der NATO. Herr Obama und Familie haben immer schon für die CIA und das Pentagon gearbeitet [3]. Noch dazu wurden die ersten Zuschüsse zu seiner Kampagne von der britischen Krone via den Geschäftsmann Nadhmi Auchi geliefert. Den schwarzen Senator den Bilderbergern präsentieren, entsprach einer Öffentlichkeitsarbeit auf internationalem Niveau von Seiten der Atlantischen Allianz zu Gunsten des zukünftigen Präsidenten der USA.

Gleicherweise hat man erzählt, dass die Bilderberg Gruppe ein unvorhergesehenes Dinner organisiert hatte, außerhalb des Seminar, am 14. September 2009 im Schloss Val Duchesse, Eigentum des belgischen Königs. Der ehemalige belgische Premierminister Herman von Rompuy hielt dort eine Ansprache. Fünf Tage danach wurde er nun zum Präsidenten des Eurorates gewählt. Auch da haben manche Autoren zu Unrecht geschlossen, dass die Bilderberg Gruppe ein „Königmacher“ wäre.

In Wirklichkeit konnte der Präsident der Europäischen Union nicht außerhalb der NATO Kreise gewählt werden, da – erinnern wir uns – die Europäische Union aus den geheimen Abkommen des Marshall Plans entstanden ist. Und diese Wahl sollte von den Mitgliedsstaaten ratifiziert werden. Dieses Muster von Entscheidungen benötigt lange Verhandlungen und kann nicht die Frucht eines Dinners unter Freunden sein.

Immer noch nach unserer Quelle hat der Präsident der Bilderberg Gruppe, Étienne Davignon, dieses außerordentliche Dinner organisiert, um van Rompuy seinen Einflusskreisen vorzustellen. Die Sache war umso wichtiger als die erste Person, die diesen neuen Posten des EU-Präsidenten einnehmen sollte, außerhalb Belgiens absolut unbekannt war. Im Laufe dieses Dinners hat M. Van Rompuy sein Programm dargelegt: eine europäische Steuer einzuführen um die Institutionen der EU direkt, ohne bei den Mitgliedsstaaten anfragen zu müssen, zu finanzieren. Es blieb den Bilderbergern nur mehr, lauthals wo immer sie konnten zu beteuern, dass sie Herman von Rompuy kennten und seine Eignung die Union zu präsidieren, bestätigen konnten.

Die Realität der Bilderberg Gruppe ist nun weniger romantisch als manche Autoren sie sich vorgestellt haben. Die unglaublich große Militärentfaltung um ihre Sicherheit zu schützen ist nicht so sehr dafür bestimmt, um sie zu beschützen als jene, die an ihr teilnehmen, zu beeindrucken. Die Gruppe zeigt nicht ihre Macht, sondern zeigt, dass die einzige Macht im Westen, die NATO ist. Es ist ihnen freigestellt, sie zu unterstützen und dann von ihr unterstützt zu werden, oder gegen sie aufzutreten und durch sie unerbittlich zermalmt zu werden.

Darüber hinaus, obwohl die Bilderberg Gruppe in ihren Anfängen eine antikommunistische Rhetorik entwickelt hatte, war sie nicht gegen die UdSSR gerichtet und ist auch heute nicht gegen Russland eingestellt. Sie verfolgt die NATO-Strategie, die kein Pakt gegen Moskau ist, sondern für die Verteidigung – und die mögliche Erweiterung – der Einflusszone von Washington arbeitet. In ihrer Gründungszeit hatte die NATO gehofft, die Sowjetunion einzugliedern, was einem Engagement Moskaus, die in den Potsdam- und Yalta-Konferenzen beschlossene Weltteilung nicht in Frage zu stellen, gleich gekommen wäre. Neuerdings hat die Allianz Präsident Dimitri Medwedew im Lissabon Gipfel empfangen und ihm vorgeschlagen, dass Russland sich ihr anschließe. Es handelte sich nicht um eine Vasallisierung , sondern um eine Anerkennung der Neuen-Welt-Ordnung, in der ganz Zentral- und Osteuropa in die US-Einflusszone übergeht. Ein russische Zusage gelte in gewisser Weise einem Friedensvertrag: Moskau würde seine Niederlage im Kalten Krieg und die neue Weltteilung anerkennen.

In diesem Fall würde die Bilderberg Gruppe russische Persönlichkeiten zu ihren jährlichen Versammlungen einladen. Sie würde nicht von ihnen verlangen, die öffentliche russische Meinung zu beeinflussen um sie zu amerikanisieren, sondern um sie zu überzeugen, ihre alten Träume für eine Großmacht endgültig aufzugeben.

Übersetzung
Horst Frohlich

Quelle
Komsomolskaïa Pravda (Russland)

Besorgte Lehrerin bei SchrangTV – Petra Paulsen enthüllt inszenierte ZDF-Show im Interview + Video

Unter dem Titel „Talkgast enthüllt inszenierte ZDF-Show“ stieg die Zugriffszahl zu dem Video bei SchrangTV auf Youtube schon am ersten Tag auf über 100.000 Aufrufe. Ein Ende ist vorerst nicht abzusehen.

„Ihre Migrationspolitik hat sich mehrfach als Trojanisches Pferd erwiesen“, schrieb Petra Paulsen im Mai 2017 an die Bundeskanzlerin. Unter dem Titel „Besorgte Lehrerin“ ging ihr Brief, veröffentlicht von Epoch Times, viral. Jetzt war sie Gast bei SCHRANGTV.

Am Tag nach dem Anschlag in Manchester, am 23. Mai 2017, hatte Petra Paulsen, Mutter von drei Kindern, verbeamtete Lehrerin und Personalrätin aus Hamburg, einen Brief an die Bundeskanzlerin geschickt, in dem sie viele tiefgehende Fragen stellte zur politisch gewollten Situation und über die Zukunft in Deutschland. Epoch Times erhielt ihn zur Erstveröffentlichung.

Dazu schreibt Bestsellerautor Heiko Schrang in seinem aktuellen Newsletter: „Die Hamburger Lehrerin Petra Paulsen erregte großes mediales Aufsehen mit ihrem Brief an Angela Merkel und wurde daraufhin zur ZDF-Talkshow ‚Wie geht’s Deutschland‘ eingeladen.“

Moderiert wurde die Sendung von Marietta Slomka in der heißen Phase vor der Bundestagswahl. Es war die berühmt gewordene Sendung, die Alice Weidel frustriert verließ.

Ebenfalls frustriert, nicht verstanden und ohne die Möglichkeit, das sagen zu können, was sie wollte, war das Fazit von Petra Paulsen nach der Sendung:

Die Sorgen und die Wut der Bürger waren nicht mehr als der einkalkulierte Teil einer Show, deren Botschaft von Anfang an feststand: Den Deutschen geht es gut. Manche Dinge könne man vielleicht verbessern, aber wirkliche Probleme gibt es nicht. Wer Kritik übt, hat eine falsche Sicht der Dinge.

Petra Paulsen hatte schon vor ihrem Brief an die Bundeskanzlerin in einer öffentlichen Rundmail ihre offenen Meinungsäußerungen begründet: „Kein Mensch sollte sich heute in Deutschland hinter einem Nickname verstecken müssen, wenn er persönliche Erfahrungen und belegte Tatsachen berichtet.“ Und daran hält sie sich bis heute.

Bei den Themen ging es ihr vorrangig um die Angst vor Terror, Überfremdung und um den gesellschaftlichen Zerfall Deutschlands.

Jetzt packt sie über die Hintergründe der Sendung bei SchrangTV-Talk aus.   (rls)

Quelle: MSW-Verlag Heiko Schrang

Artikel vom 23. Mai 2017 bei EPOCH TIMES:

Besorgte Lehrerin schreibt an die Bundeskanzlerin: Ihre Migrationspolitik hat sich mehrfach als Trojanisches Pferd erwiesen

Erbschaftssteuer für die Kohle der Löwen – Die Anstalt vom 7. November 2017 | ZDF

Zur ganzen Sendung: http://ly.zdf.de/YASEz/

Claus möchte die Löwen von seiner Idee der Erbschaftssteuer überzeugen. Ob für ihn ein Deal dabei herauskommt?

Österreich: Tirol-Frage trennt ÖVP und FPÖ

Quelle: www.geolitico.de

Sebastian Kurz / Quelle: By Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASebastian_Kurz_crop.jpg Sebastian Kurz / Quelle: By Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)%5D, via Wikimedia Commons; https://commons.wikimedia.org/wiki/File%3ASebastian_Kurz_crop.jpg

In Wien kommt es zum Schwur über eine „Herzensangelegenheit“. Lässt Wahlsieger Kurz den Doppelpass für Südtirol zu? Für die FPÖ ist er Koalitionsbedingung.Die unlängst an der „Unrechtsgrenze“ zwischen Österreich und Italien abgehaltene Brenner-Kundgebung, die das seit bald hundert Jahren unerfüllt gebliebene Selbstbestimmungsverlangen der Tiroler aus Aktualitätsbezug mit der Unterstützung des Unabhängigkeits- und Eigenstaatlichkeitsbegehrs der Katalanen verband, stand just im Zeichen der seit einigen Jahren von Südtirolern geforderten und bislang mit allerlei Ausflüchten vom offiziellen Wien abgelehnten Forderung nach Erteilung der österreichischen Staatsbürgerschaft. Der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Werner Neubauer, Südtirol-Sprecher seiner Partei, ergriff dort das Wort, unterstrich „die große Bedeutung der doppelten Staatsbürgerschaft für die Südtiroler“ und nannte die wünschenswerte Erteilung einen „volkstumspolitischen Meilenstein in der Geschichte des Landes“.

Die Koalitionsverhandlungen

Neubauer ist nicht der einzige Freiheitliche, der in dieser Angelegenheit das Wort führt(e). Auch der nach einer Phase erzwungener Abwesenheit aus dem österreichischen Parlament wieder dort einziehende Abgeordnete Martin Graf und andere volkstumspolitisch engagierte Mandatsträger setz(t)en sich vehement dafür ein. Da die FPÖ als einzige Partei diesen Wunsch, seit er von Südtiroler Seite aufkam, konsequent unterstützte, richten sich im Rahmen der Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP die Augen derer, die ihn hegen, naturgemäß umso mehr darauf, als tatsächlich erstmals die Chance zum Greifen nahe zu sein scheint. Sofern sie nicht anderen, für die jeweils klientelistisch interessegeleiteten Verhandlungspartner „wichtigeren“ Sachthemen, über die Volkspartei und Freiheitliche nach Übereinkünften suchen, sozusagen „zum Opfer fallen“.

Alle bisherigen Anläufe vereitelt

Ruft man sich ins Gedächtnis, was sich in der Doppelstaatsbürgerschaftsfrage ereignete, seit sie gestellt worden ist, und wer sich im politischen Geviert Bozen – Innsbruck – Wien – Rom seitdem wie verhielt, so ist ob der „Durchschlagskraft“ Neubauers und seiner Mitstreiter selbst unter positiver Gestimmtheit beim Herangehen und der Standfestigkeit williger Proponenten eine gehörige Portion Skepsis hinsichtlich deren Erfolgsaussicht angebracht. Denn wenngleich sie seit der Machtübernahme des politisch hochtalentierten Studienabbrechers Sebastian Kurz als „Die neue Volkspartei“ daherkommt, hat just die ÖVP, mit der die FPÖ die Doppelstaatsbürgerschaftsfrage im Rahmen des Verhandlungskomplexes „Staat und Gesellschaft“ – mit den (Untergruppen-)Materien Medien, Justiz, Sport, Kunst und Kultur, Verwaltungsreform und Verfassung, Europa- und Außenpolitik, Integration – erörtern muss, auf maßgebliche Weise alle bisherigen, d.h. seit 2009 stattgehabten Anläufe vereitelt. Dem schloss sich die seit 1945 zwischen Brenner und Salurner Klaus Regierungsverantwortung tragende Südtiroler Volkspartei (SVP) – namentlich unter ihrer jetzigen, eher italo- denn austrophilen Führung – an und scheint, wie in manchen anderen politischen Fragen, bequemerweise und um das für sie nutzbringende Arrangement mit Rom nicht zu gefährden, diese Haltung beizubehalten.

Die Initiatoren

Dabei waren es der vormalige SVP-Obmann Siegfried Brugger, ehedem Abgeordneter in der römischen Kammer, sowie sein Parteifreund und Abgeordnetenkollege Karl Zeller – beide Juristen und Anwälte – , die im Dezember 2009 im Einklang mit den im Landhaus/Landtag zu Bozen vertretenen deutschtiroler Oppositionsparteien sowie den österreich-patriotischen Kräften (namentlich Schützenbund und Heimatbund) den Wunsch in die Öffentlichkeit trugen und in Wien deponierten. Begründung: Juristisch sei dies über eine Ausnahmeregelung im österreichischen Staatsbürgerschaftsrecht ohne weiteres möglich; und auch Italien ermögliche ethnischen Italienern überall auf der Welt die Doppelstaatsbürgerschaft, ja behalte diesen „Auslandsitalienern“ in Kammer und Senat sogar 18 Sitze vor. Das 2006 im Blick auf die ethnischen Italiener in Istrien, Fiume und Dalmatien noch einmal novellierte italienische Staatsbürgerschaftsgesetz von 1992 erlaube italienischen Staatsbürgern ausdrücklich den Erwerb einer zweiten Staatsbürgerschaft, ohne dass sie die italienische abgeben müssten – was folgerichtigerweise auch für die Südtiroler gelte.

Umfaller

Aus berufenem Munde war zu erfahren, dass Brugger vom ÖVP-Granden und gebürtigen Südtiroler Andreas Khol, mit dem er seinerzeit die Angelegenheit besprach, zunächst „in geradezu euphorischer Weise“ Zustimmung sowie dessen Unterstützungszusage erhielt. Doch wenige Tage später hatte sich Khol dem Vernehmen nach vom „unbedingten Befürworter“ zum Gegner verwandelt, wie aus seiner in der Südtiroler Tageszeitung „Dolomiten“ am 16. Januar 2010 publizierten Stellungnahme hervorging: Eine Doppelstaatsbürgerschaft würde Italien provozieren, dem Pariser Abkommen von 1946 zuwiderlaufen und sich nachgerade als „gefährlich“ erweisen.

Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter hatte schon zu Weihnachten 2009 den „Dolomiten“ gegenüber das Südtiroler Verlangen, welches selbstredend auch sein Bozner Pendant Luis Durnwalder damals unterstützte, als „Vorwand für eine neuerliche Diskussion um die Verschiebung der Staatsgrenzen“ qualifiziert und hinzugefügt, derlei zeuge „von Verantwortungslosigkeit und mangelndem Geschichtsbewusstsein.“

Bremser

Nicht zuletzt brachte der damalige Bundesparteiobmann, Vizekanzler und Außenminister Michael Spindelegger seine Haltung zum Ausdruck. Besagter FPÖ-Nationalratsabgeordneter Neubauer gab den Inhalt eines Gespräches mit ihm über die Staatsbürgerschaftsfrage wie folgt wieder: „Spindelegger erklärte mir unverblümt, dass es für ihn nicht infrage komme, Italien zu verärgern (….) und er nicht im Entferntesten daran denke, diesem Wunsch der Südtiroler zu entsprechen.“ Und in einem am 12. Februar 2010 erschienenen „Dolomiten“-Interview befand Spindelegger, man dürfe „keine falschen Hoffnungen wecken“; von einer Unterschriftenaktion für die doppelte Staatsbürgerschaft, wie sie eine überparteiliche Initiative unter Führung der im Bozner Landhaus/Landtag vertretenen Partei „Süd-Tiroler Freiheit“ (STF) organisierte, riet er ab, weil diese eher „zu Irritationen führen“ könne.

„Keine verfassungsrechtlichen Bedenken“

Bald darauf übergaben die Südtiroler Landtagsabgeordneten Eva Klotz und Sven Knoll (beide STF) im Nationalrat zu Wien 22.500 Unterstützungsunterschriften an die Abgeordneten Neubauer (FPÖ), Herrmann Gahr (ÖVP), Gerhard Huber (BZÖ) und Alexander van der Bellen (Grüne). Die Unterschriften waren trotz politischer wie medialer Kontrapunktion zusammengekommen; sie stellten daher keine vernachlässigbare Größe dar. Dies umso mehr, als das Bundeskanzleramt die Initiatoren der Unterschriftensammlung mit Schreiben vom 28. April 2011 wissen ließ, dass gegen eine Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler „keine allgemein verfassungsrechtlichen Bedenken“ bestünden.

Und Ende Mai 2011 stellte der Innsbrucker Verfassungsrechtler Walter Obwexer ein fundiertes Gutachten zum Thema vor, das zu erstellen ihn just die SVP beauftragt hatte. Obwexer kam darin zu dem Schluss, dass „der Erwerb der österreichischen Staatsbürgerschaft durch Südtiroler grundsätzlich möglich“ sei. Und wider alle Unkenrufe von Vorsichtlern und Rücksichtlern vornehmlich aus der ÖVP stellte er fest, dass dies auf relativ einfache Weise realisierbar sei: Weder völkerrechtlich, noch auf EU-Ebene gebe es rechtliche Hindernisse.

Enttäuschende Entscheidung

Schließlich sprach sich der Südtiroler Landtag am 9. März 2012 mit großer Mehrheit für die Doppelstaatsbürgerschaft aus. Als Verfassungs- und Völkerrechtsexperten sodann in einer Anhörung vor dem Südtirol-Unterausschuss (des Außenpolitischen Ausschusses) des Nationalrats übereinstimmend dargelegt hatten, dass der Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler rechtlich keine Hürden entgegenstünden, stellte Karl Zeller, der einst zusammen mit SVP-Obmann Brugger den Vorstoß unternommen hatte, zurecht fest: „Jetzt ist es nurmehr eine politische Entscheidung, ob den Südtirolern der Doppelpass ermöglicht wird oder nicht“.

Die Entscheidung ließ nicht allzulange auf sich warten und enttäuschte alle, die sich in der Causa engagiert hatten. Am 5. Juli 2013 legte nämlich der von Außenminister – formell: „Bundesminister für europäische und internationale Angelegenheiten“ – Spindelegger vorgelegte „Bericht an den Nationalrat“  in aller Deutlichkeit offen, dass die österreichische Bundesregierung eine Doppelstaatsbürgerschaft für Südtiroler nicht wünschte.

Entgegen den aus dem Südtirol-Unterausschuss bekannten Einlassungen der Rechtsexperten (und zeitgeistfromm politisch-korrekt mit genderisierendem Binnen-I versehen) hieß es darin: „Die Einführung eines vereinfachten Erwerbs der österreichischen Staatsbürgerschaft für SüdtirolerInnen“ sei mit „völkerrechtlichen und verfassungsrechtlichen Hürden  verbunden“. Woraufhin die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP im Verein mit den Grünen den FPÖ-Antrag abschmetterten, den Südtirolern die österreichische Staatsbürgerschaft einfachgesetzlich mittels geringfügiger Korrektur – nämlich Einfügens eines einzigen Absatzes – des geltenden Staatsbürgerschaftsgesetz zu ermöglichen. Zutreffenderweise ließ FPÖ-Südtirolsprecher Neubauer dazu verlauten: „Die Bundesregierung hat sich damit gemeinsam mit den Grünen geweigert, unseren Landsleuten südlich des Brenners diesen Herzenswunsch zu erfüllen.

Rückzug

Auch der neuerliche Anlauf der FPÖ im Nationalrat zwei Jahre später endete wie der erste: SPÖ, ÖVP und Grüne lehnten wiederum ab. Mittlerweile rückte auch die unter neuer Führung stehende SVP von der ursprünglichen Zielsetzung ab. Als wenig verwunderlich erscheint dabei der juvenile politische Gleichklang zwischen dem (mittlerweile zum neuen ÖVP-Bundesobmann avancierten) Außenminister Sebastian Kurz und dem mit ihm befreundeten Südtiroler Politjungstar Philipp Achammer, seinem Pendant von der „Schwesterpartei“ SVP. Der das Trio komplettierende Arno Kompatscher hatte bereits vor der Landtagswahl 2013, zu der er als Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Landeshauptmanns Durnwalders antrat, in einem gemeinsamen Auftritt mit dem ÖVP-Südtirolsprecher Gahr das Abrücken der SVP vom Staatsbürgerschaftsverlangen mit der Formulierung verbrämt, er nehme „wenig Begeisterung in der Südtiroler Bevölkerung für den Doppelpass“ wahr und „zur Kenntnis, dass auch in Österreich die Voraussetzungen dafür politisch nicht gegeben“ seien.

Reservation

An dieser ÖVP-SVP-Positionierung hat sich bis zur Stunde nichts Wesentliches geändert, sondern sie hat sich geradezu stereotyp verfestigt. Sozusagen in vorauseilendem Gehorsam gegenüber der maßgeblich aus dem ÖVP-geführten Außenministerium bestimmten regierungsamtlichen Wiener Linie machte Kompatscher – schon vor einem formellen Besuch Anfang 2015 bei Ressortchef Kurz – „noch viel Klärungsbedarf“ aus: „Es besteht die Gefahr, dass uns die Debatte mehr schaden könnte, als sie uns Nutzen bringt. (…) Wir wissen, dass sich in Wien und Tirol die Begeisterung in Grenzen hält, weil viele Fragen der praktischen Anwendung unklar sind“. Auch Kurz blieb reserviert: „Dass das ein emotionaler Wunsch der Südtiroler ist, verstehen wir selbstverständlich, aber es gibt in Österreich andere rechtliche Gegebenheiten„; man wolle „Doppelstaatsbürgerschaften vermeiden“.

Entkräftete Vorbehalte

Seit 2010 hat die österreichische Regierung Südtiroler Doppelstaatsbürgerschaftswünschen stets mit der Begründung, es sei zuvor eine „intensive juristische Prüfung“ notwendig, nicht entsprochen. Dabei sind die Rechtsfragen längst fundiert beantwortet: Weder müsste die österreichische Verfassung geändert werden, noch müsste Wien völkerrechtliche Verträge kündigen; stattdessen würde eine einfache Änderung des österreichischen Staatsbürgerschaftsgesetzes ausreichen.

Überdies erlaubt das „Europäische Übereinkommen über die Staatsangehörigkeit“ vom 6. 11.1997 nicht nur die Doppel-, sondern sogar die Mehrstaatsbürgerschaft.   Gründe, die als entgegenstehend angeführt werden – beispielsweise, dass   Doppelstaatsbürgerschaft Auswirkungen auf Steuern und Pensionen/Renten hätte – sind nicht stichhaltig: Steuern sind unabhängig davon zu entrichten und Pensionen unabhängig davon auszuzahlen, wo die steuerpflichtige respektive pensions- bzw. rentenberechtigte Person ihren gewöhnlichen Aufenthalt (= Wohnsitz) hat.

Entgegen anderslautenden Begründungen wären Südtiroler Doppelstaatsbürger gegenüber Südtirolern mit Einfachstaatsbürgerschaft keinesfalls bessergestellt; denn Rechte und Pflichten, welche aufgrund der italienischen Rechtsordnung sowie der in der Autonomen Provinz Bozen-Südtirol geltenden Autonomiebestimmungen gelten, sind ja nicht davon abhängig, ob jemand (auch) die österreichische Staatsbürgerschaft innehat.

Interessen und ….

In politischen Sonntagsreden heißt es meist, Südtirol sei eine „österreichische Herzensangelegenheit“. Die Doppelstaatsbürgerschaft ist der Wunsch vieler Südtiroler deutscher und/oder ladinischer (ja vielleicht sogar einiger italienischer) Zunge, aber vaterländisch-österreichischer Gesinnung. Dennoch wurde nämlichem Wunsch in Wien nicht entsprochen. Die bisherigen Regierungen und die sie tragenden Parteien SPÖ und ÖVP haben sich (nicht allein) in der Doppelstaatsbürgerschaftsfrage als Zauderer erwiesen. Man wird auch kaum fehlgehen, ihr und beiden Parteien (ebenso wie der SVP in Bozen) zu unterstellen, das Verhältnis zu Rom gegenüber der aus dem jahrzehntelangen Südtirol-Konflikt erwachsenen Schutz(macht)pflicht für die Tiroler unterm Brenner als vor-, wenn nicht erstrangig zu erachten.

Ein solches Verhalten untergräbt Identität und Österreich-Orientierung der Südtiroler und spielt dem von Italien seit der Annexion im November 1918 verfolgten Plan in die Hände, die Südtiroler – trotz vielgepriesener (aber immer wieder von römischer Aushöhlung geschwächter) Autonomie – zu entnationalisieren, zu assimilieren und damit die seit dem Mussolini- Faschismus erstrebte „ewige Italianità“ des seit 1200 Jahren dem deutsch-österreichischen Kulturraum zugehörigen Landstrichs zu erlangen.

…. Glaubwürdigkeit

Die grundsätzliche Frage, welche Interessen für Wien wichtiger sind, die der Südtiroler oder jene der römischen Politik, stellt sich daher auch – und nunmehr vor allem – der künftigen österreichischen Bundesregierung. Beantworten müssen sie die beiden Koalitionspartner. Auf das Wie darf man gespannt sein. „Sollte die Freiheitliche Partei in Koalitionsverhandlungen kommen, dann wird in einer Regierungsvereinbarung die doppelte Staatsbürgerschaft drinnen sein müssen. Ansonsten wird es zu keiner Regierungsbeteiligung kommen!“ Es sind starke Worte, die der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Werner Neubauer, seines Zeichens Südtirol-Sprecher, auf der eingangs erwähnten, von patriotischen Kräften aus allen Teilen Tirols an der „Unrechtsgrenze“ abgehaltenen Brenner-Kundgebung von sich gegeben hat. Es sind Worte von einer so verbindlichen Konditionalität, dass es einem enormen Gesichtsverlust für ihn und seine Gesinnungsgemeinschaft gleichkäme, blieben sie folgenlos.

Eine derartige Conditio sine qua non nicht einzulösen, würde ein nicht zu unterschätzendes Glaubwürdigkeitsproblem bereiten. Es sei denn, man befolgte schulterzuckend die Maxime „Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern“.

Uruguay: Bio-Sojabohnen für China – Das Ende der Monsanto-Kultur? (Teil II)

Quelle: deutsch.rt.com

Uruguay: Bio-Sojabohnen für China - Das Ende der Monsanto-Kultur? (Teil II)

Grüne, giftige Algen im Santa-Lucía-Fluss
Die Chinesen mögen kein Glyphosat in ihren Lebensmitteln. Sie setzen auf naturbelassenes Soja. Uruguay soll künftig auf den Anbau dieser Pflanzenart umsteigen. Seit Anfang 2017 läuft ein großformatiges Gemeinschaftsprojekt mit China.

von Maria Müller

Sojabohnen gehören in China zu den Grundnahrungsmitteln und sind so unentbehrlich wie Reis. Doch die Chinesen nehmen Abstand von den gentechnisch veränderten Pflanzen. Anfang des Jahres unterschrieben die Regierungen Chinas und Uruguays einen Vertrag über das gemeinsame Erproben einer natürlichen Sojasorte. Der asiatische Partner hat bereits genetisches Material beigesteuert, um eine in Uruguay angepasste Pflanze zu entwickeln. In naher Zukunft soll dann Bio-Soja in großem Stil angebaut werden. Das wäre eine sichere Einnahmequelle für das südamerikanische Land, denn China will die gesamte Ernte importieren.

(Symbolbild). Uruguays Exportschlager Naturhonig, von dem rund 9.000 Tonnen nach Europa gehen, findet seit 2016 in Deutschland keine Käufer mehr. Grund dafür: Er ist mit Resten von Glyphosat belastet.

Im Rahmen des Abkommens verpflichtete sich Uruguay auch dazu, die chinesischen Anforderungen beim Verwenden von Agrochemikalien einzuhalten. Insgesamt wirft das Projekt die Frage auf, ob dadurch die wirtschaftliche Abhängigkeit vom großflächigen Monsanto-Anbau beseitigt und die biologische Zeitbombe entschärft werden könnte.

Seit dem Jahr 2014 hat die chinesische Regierung die dramatisch wachsende Zahl von Krankheiten in der Bevölkerung als Alarmzeichen für eine Wende in der Umweltpolitik anerkannt. Wenn auch nicht als einzige so doch vorrangige Ursache steht das genetisch veränderte Soja dort unter Verdacht. für Krebs, Parkinson, Unfruchtbarkeit, Neugeborene mit Missbildungen und vieles mehr erfordert eine Abkehr vom Konsum des Monsanto-Soja.

Bis jetzt ist China der größte Abnehmer der eiweissreichen Bohnenart, die bisher für billiges Speiseöl und Tierfutter verwendet wurde. Von 87 Millonen Tonnen, die China jährlich vor allem aus Südamerika und den USA importiert, liefert Uruguay etwa 2,6 Millionen. Es ist noch offen, ob beide Formen der Sojaproduktion in Uruguay nebeneinander existieren werden.

Angesichts dieser neuen Perspektiven, aber auch im Hinblick auf den geplanten Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union, arbeitet Uruguay seit einem Jahr verstärkt an einem Programm für eine verbesserte landwirtschaftliche Praxis. Die Produktionsabläufe sollen vereinheitlicht geplant werden. Für notwendige Reformen der Höfe gibt es weiche Kredite. Man will erreichen, dass die Betriebe für ihre Arbeitsweise ein Zertifikat erhalten. Solche internationalen Auszeichnungen gibt es bisher nur bei einigen großen landwirtschaftlichen Herstellerfirmen. Im Vordergrund steht die Kontrolle der Pestizide und Kunstdünger. Uruguay importiert davon sechsmal so viel wie vor zehn Jahren.

Bereits seit 2012 sind Service-Unternehmen, die mit Flugzeugen und Spezialfahrzeugen die großen Monokulturen besprühen, dazu verpflichtet, täglich in einer Webseite des Landwirtschaftsministeriums einzutragen, wann, wo und wie viel sie von welchen Chemikalien verarbeitet haben. Um den Wahrheitsgehalt der Angaben zu kontrollieren, sollen sie permanent durch ein Satellitensystem überwacht werden. Die mehrmals aufgeschobene Maßnahme wird im Dezember in Kraft treten. 

Die Regierungsvertreter im Umwelt- und Agrarbereich Uruguays bekennen sich offiziell zum Ziel einer nachhaltigen, umweltfreundlichen Landwirtschaft. Doch entgegengesetzte Interessen erreichen es auch immer wieder, Reformprozesse in den Ministerien zu blockieren.

Wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, um die Erosion unsrer fruchtbaren Böden aufzuhalten und sie auch in Zukunft für die Lebensmittelproduktion zu sichern“,

so Zulma Gabard, Direktorin aus dem Landwirtschaftsministerium.

Weder die Ursachen noch die Folgen des Insektensterbens sind bis dato ausreichend untersucht.

Die riesigen gentechnisch veränderten Monokulturen laugen die Böden aus und erfordern immer mehr künstliche Düngemittel. Aufgrund von Phosphatrückständen im Flusswasser bilden sich giftige Algen, die auch in die Mündung des Rio de la Plata geschwemmt werden. Im Sommer gibt es regelmäßig Algenalarm, der den Genuss eines Teils der wunderschönen uruguayischen Strände drastisch einschränkt.

Gut 80 Prozent der Phosphor- und Stickstoffverseuchung unsrer Wasserläufe kommen von der Landwirtschaft“, bekennt Carlos Colacce, der Sekretär für Umwelt, Klimawechsel und Wasser in Uruguay.

Die Hauptstadt Montevideo wird durch den Fluss Santa Lucía mit Trinkwasser versorgt, der bis ans Ufer von Pflanzungen umsäumt ist, die immer mehr Chemikalien benötigen. Darunter auch Monsanto-Soja.

Schon vor zehn Jahren forderten Wissenschaftler und Umweltvertreter, das umliegende Flussgebiet biologisch zu schützen und in einen natürlichen Filter gegen die chemische Agrarverseuchung zu verwandeln. Bis jetzt ohne Erfolg. Die Hälfte der Trinkwasserkonsumenten Uruguays konzentriert sich in Montevideo mit 1,5 Millionen Einwohnern. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation gehört Uruguay zu den Ländern mit der höchsten Krebsrate.