„Die Finanzkrise war ein einziger Kreditbetrug“ sagen die Experten Weik und Friedrich

Grundsätzliches: Krisen, vor allem Geld- oder Finanzkrisen sind immer Machtinstrumente derer, die steuern, egal ob es der globale Prädiktor ist, ob es Landes- oder Finanzeliten sind. Die Krise erhöht Macht und Mittel!
Vor 10 Jahren erschütterte die Lehmankrise die Grundfeste unseres Finanzsystems und läutete offiziell die Finanzkrise ein und ihre massiven Auswirkungen sind bis heute zu sehen und zu spüren.

Seit 2008 wurde – entgegen den Behauptungen seitens Politik und Notenbanken – die Krise jedoch nicht gelöst, sondern mit fragwürdigen Mitteln in die Zukunft verschoben. Auch liegt das Schlimmste nicht hinter uns und die Erholung ist auch nicht geschafft. Obendrein wurden die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft nicht hinter Schloss und Riegel gebracht, nein man hat es geschafft, dass der dumme Bürger auch noch für „die Krise“ bezahlt.

Laut den Zahlen, die die Bundesregierung erstmals herausgegeben hat, wird die Finanzkrise uns Steuerzahler in Deutschland wohl mehr als 68 Milliarden Euro kosten.

Hier sind die potenziellen Risiken der tickenden Zeitbombe Hypo Real Estate und dem Kursverlust der staatlichen Commerzbank-Anteile noch nicht einmal berücksichtigt. Eines sollte uns jedoch allen klar sein: Es ist lediglich eine Frage der Zeit, bis die nächste Krise wieder ausbricht. Und diese wird wesentlich heftiger als 2008!

Wir erinnern uns sicherlich alle an den 5.Oktober 2008, es war ein Sonntag, als unvermittelt Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück live vor die Kamera traten, um uns unserer Einlagen und unseres Ersparten zu versichern. Jedem mündigen Bürger war in diesem Moment klar – es brennt gewaltig!

Die Absicherung der Ersparnisse durch die Bundesregierung war eine Beruhigungspille für die Bürger, um einen Banken Run zu verhindern, der nämlich schon im Gange war.

Zu groß waren die Verwerfungen und dadurch entstehenden Unsicherheiten seit September – Lehman Brothers, AIG, Hypo Real Estate, Merrill Lynch, Barclays etc. Weltweit wankte der Finanzsektor bedrohlich und die Notenbanken sahen sich gezwungen, neues Terrain zu betreten. In einer historisch einmaligen koordinierten Aktion der Notenbanken wurde über Nacht massiv interveniert und Gesetze ad acta gelegt, um das Finanzsystem zu reanimieren.

Das Versprechen, dass unser Geld von der Regierung gesichert sei, ist weder in ein Gesetz gegossen noch finanziell stemmbar. Auch wenn Herr Steinbrück im TV das Gegenteil behauptet als  Prof. Sinn und meine Person ihm die Fakten erklärten.

Die Finanzwirtschaft und Politik haben es tatsächlich geschafft, uns die Finanzkrise als ein Unglück zu verkaufen. Doch das ist vollkommener Unsinn!

Ein Hauptirrtum ist, zu meinen, Geld an sich wäre ein Wert. Aber Geld hat überhaupt keinen Wert. Wert haben nur Güter und Dienstleistungen. Da wir ständig aufs Geld starren, schieben wir einen Geldstau, einen virtuellen Liquiditäts-See vor uns her, bei dem wir so tun, als ob er real wäre. Das offenbart jede Finanzblase, bei der mit betrügerischen Manipulationen Illusionswerte generiert werden, die die Menschen dann als reale Werte betrachten. Und was passiert, wenn alle Menschen gleichzeitig an ihr Geld heranwollen? Das System bricht zusammen.

Mehr noch: Die Finanzkrise selbst war eine einzige Illusion. In Wirklichkeit handelte es sich da schlicht um Kreditbetrug! Man lieh Menschen Geld für Ramschimmobilien, die sie sich nicht leisten konnten. Diese faulen Kredite wurden – zusammen mit ein paar werthaltigen – sodann in faule Papiere für reiche Anleger und dumme Bankmanager umgetütet.

Als sie geplatzt waren, machte man aus einem Kreditbetrug eine „Finanzkrise“– und flugs wurden aus Tätern Opfer. Jeder Metzger, der 800 Gramm frisches mit 200 Gramm vergammeltem Hackfleisch mischen würde, käme geradewegs ins Gefängnis.

Wenn das aber mit Geld, mit „verbrieften“ Papieren bewerkstelligt wird, dann wird das zur Krise erklärt – und der Staat darf einspringen, um angeblich „systemrelevante“ Banken vor dem Bankrott zu retten.

Noch immer wird uns von systemrelevanten Banken erzählt. Wir sagen: das ist Unsinn. Banken sind nicht systemrelevant, sie sind das System!

Wall Street: Die Party geht weiter

Dank des billigen Geldes boomt es an den Aktien- und Immobilienmärken. Abermals haben sich gigantische Blasen gebildet, die noch weiter aufgepumpt werden.

Was wurde uns im Zuge der Finanzkrise von Seiten der Politik nicht alles versprochen. Wir werden eine Finanztransaktionssteuer einführen, wir werden die Banken zerschlagen sodass kein Institut mehr die Weltwirtschaft an den Rand des Abgrundes bringen kann.

Alles im erneuten Rausch vergessen oder verdrängt, denn die Musik spielt wieder und es muss getanzt werden. Zwar wurden die Bankerboni in Europa, jedoch nicht in den USA, begrenzt und müssen Banken heute eine höhere, aber immer noch zu niedrige, Eigenkapitalquote vorweisen, dennoch ist die Macht der Puppenspieler aus der Finanzbranche ungebrochen.

Heute sind manche Institute in den USA sogar noch größer und mächtiger als 2008 und eine Pleite der Deutschen Bank könnte problemlos dafür sorgen, dass bei uns die Lichter ausgehen.

Die Boni fließen an der Wall Street wieder in Strömen. Allein 2017 stieg der Bonus eines Brokers um 17 Prozent auf durchschnittlich rund 180.000 Dollar. JP-Morgan-Boss James Dimon strich für 2017 fast 30 Millionen Dollar ein. Das Volumen des verwalteten Vermögens von Hedgefonds hat sich seit 2008 von 1,46 Billionen Dollar auf über 3,4 Billionen Dollar mehr als verdoppelt und die Party geht unvermindert weiter.

Die Superreichen werden immer reicher, die Mittelschicht immer kleiner und die Unterschicht nicht nur in den USA immer größer.

Finanztransaktionssteuer ist passe

Die Finanzlobby hat offensichtlich einen Top-Job gemacht, denn das Thema Finanztransaktionssteuer ist vom Tisch und keiner regt sich auf.

Verbriefungsirrsinn geht weiter

Auch in Punkto Verbriefungen hat die Finanzwelt nicht aus der letzten Krise gelernt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) erwartet global neue Verbriefungen in Höhe von einer Billion Dollar. Die USA (bis zu 565 Milliarden Dollar) und China (umgerechnet bis zu 260 Milliarden Dollar) sind die größten Märkte.

Die Welt versinkt in Schulden

Der globale Schuldenstand befindet sich auf einem Allzeithoch. Die globalen Schulden haben ein Rekordniveau erreicht und entsprechen 225 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Heute ist die Welt höher verschuldet als 2009, als die globale Finanzkrise auf den öffentlichen und privaten Haushalten lastete.

Eigentlich wäre zu erwarten, dass zumindest die private Verschuldung gefallen ist. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Auf Grund der niedrigen Zinsen und kontinuierlich steigender Immobilienpreise kaufen sich Menschen oftmals vollkommen überteuertet Immobilien, welche sie sich eigentlich überhaupt nicht leisten können. Bereits Ende 2014 hatte die Verschuldung der Privathaushalte das Vorkrisenniveau überschritten.

Aussagekräftig ist hierbei das Verhältnis privater Schulden zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) sowie die Schuldendienstquote. Die Verschuldung der Privathaushalte liegt in zahlreichen Ländern auf dem Niveau von 2008 oder darüber. In Dänemark (133 Prozent), Australien, Irland, der Schweiz und den Niederlanden (120 Prozent) liegt die Haushaltsschuldenquote bei über 100 Prozent.

Während der Unternehmenssektor in Deutschland, welcher traditionell mittelständisch geprägt ist, mit einer Verschuldungsquote in Höhe von 94 Prozent ok dasteht sieht es in Frankreich dagegen mit 165 Prozent und in Belgien mit 200 Prozent wesentlich besorgniserregender aus.

Landesbanken: Milliarden an Steuergeldern vernichtet und keiner war schuld

Offensichtlich haben weder CDU, CSU, SPD noch FDP Interesse an einer systematischen Aufklärung, was genau bei den Landesbanken vorgefallen ist. Die Rettung der Hypo Real Estate und der zockenden Landesbanken hat den Steuerzahler zig Milliarden gekostet und heute will keiner für die Zockereien verantwortlich gewesen sein.

Folgekosten der Krise

Zu den Kosten für die Bankenrettung müssen folgende indirekte Kosten hinzuaddiert werden: Entlassungen und Konjunkturpakete wie die Abwrackprämie, Kurzarbeitergeld, die Folgen der Eurokrise, die Nullzinsen und die damit verbundenen Probleme bei der Altersvorsorge, steigende Mieten und die Enteignung von uns Sparern.

Wir sollten uns als Gesellschaft folgende Fragen stellen:

Warum wurden die Verantwortlichen aus Wirtschaft und Politik nicht zur Rechenschaft gezogen, sondern oftmals mit üppigen „golden Handshakes“ in den Urlaub geschickt? Warum ist der Steuerzahler abermals der Dumme? Warum wurden Verluste sozialisiert und warum Gewinne privatisiert? Warum musste kaum einer Boni zurückgeben? Warum lassen wir uns noch immer von der Finanzbranche regieren? Wäre der Sachverhalt vielleicht grundlegend ein anderer, wenn Steuergeldverschwendung ebenso hart geahndet würde wie Steuerhinterziehung?

Südeuropa geht es heute schlechter als 2008

Der Politik ist es vor knapp zehn Jahren noch einmal gelungen, die Kuh vom Eis zu holen. Jedoch ist die Staatsverschuldung in Europa exorbitant gestiegen. Heute sind zahlreiche Staaten Südeuropas bis zur Halskrause verschuldet. Griechenland ist faktisch bankrott und Italien auf dem besten Weg dorthin. Griechenland konnte noch gerettet werden.

Das strauchelnde Italien – die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone – kann nicht mehr gerettet werden.

Eine weitere Finanzkrise, welche mit Sicherheit kommen wird, können sich weder die Länder Europas, noch die USA oder China leisten.

Heute sind Populisten und EU- und Eurokritische Parteien überall in der EU auf dem Vormarsch. In Griechenland und Italien haben sie bereits die Macht übernommen. Weder Frankreich noch Italien, Spanien, Portugal geschweige denn Griechenland haben sich seit der Finanzkrise maßgeblich erholt und werden das auch in Zukunft nicht. Entgegen aller Behauptungen aus der Politik ist es lediglich eine Frage der Zeit, bis Griechenland wieder die Hand aufhalten wird.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Meinung des Verlags oder die Meinung anderer Autoren dieser Seiten wiedergeben.

Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben gemeinsam die vier Bestseller

Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“ war der erste, und

Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“ erschien 2017.

Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.

Köppel und Sarrazin im Interview: „Das Volk ist verantwortlich für die Qualität der Politiker“

Das Buch „Feindliche Übernahme“ basiert darauf, dass Sarrazin den Koran – auf Deutsch – von der ersten bis zur letzten Zeile las. Er stellt fest:
Der Koran ist eine schwere Bürde für die islamische Welt, er fördert die Gewaltbereitschaft, Intoleranz, behindert Wissbegier und die Emanzipation der Frauen, er fördert Rückständigkeit und die Verneinung des Individuellen.

Das Buch von Thilo Sarrazin „Feindliche Übernahme, wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“ stürmt die Bestsellerlisten und gehört zu den meistverkauften bei Amazon und auf der Spiegel Bestsellerliste. Aber in der deutschen Medienlandschaft gibt es eher eine Verdrängung oder Verunglimpfung statt einer Auseinandersetzung damit.

Der Chefredakteur und Inhaber der Schweizer Zeitung  „Die Weltwoche“, Roger Köppel, ging deshalb mit Thilo Sarrazin auf Reisen nach Berlin, Zürich und Wien zu einem „Gipfel der freien Rede“. Am 3. Oktober nahmen in Berlin etwa 300 zahlende Besucher an diesem Gipfel teil und bekamen auch Gelegenheit zu Fragen nach einer Einführung von Sarrazin und einer ersten munteren Fragerunde von Köppel. Wir dokumentieren Auszüge.

Epoch Times traf sich nach der Veranstaltung mit Köppel und Sarrazin  zu  einem Interview, das steht am Ende des Artikels.

Fragerunde Köppel – Sarrazin:

Köppel: Warum dieser verkrampfte Umgang mit dem Buch?

Sarrazin: Die Regierung verfolgt seit 30 Jahren die Strategie, dass Vielfalt strikt positiv ist. Das alte Weltbild meint, wir würden das schon regeln, der Islam wird von der Regierung nicht ernst genommen. Sich das ehrlich einzugestehen, wäre gefährlich.

Die Debatte ist umfangreicher geworden. Es ist wie im März, die Eisfläche kracht, da ist es nass, da ist es trocken, dort schlammig, dort bricht jemand ein – es ist eine Phase günstiger Unordnung und Ratlosigkeit. In Bezug auf den Islam wachsen die Sorgen.

Köppel: In der Bibel stehen ja auch krasse Dinge, wieso besorgt Sie das weniger?

Sarrazin: Wenn ich in den Zeiten der Inquisition leben würde, wäre ich vorsichtiger gewesen. Doch die Zeiten der biblischen Inquisition sind vorbei. Das Problem ist, dass über zwei Milliarden Menschen eine Religion haben, wo der Koran noch wörtlich zu verstehen ist. Der Islam ist gegenwärtig noch voll im Mittelalter – und es geht noch weiter zurück.

Köppel: Sehen Sie auch positive Entwicklungen im Islam?

Sarrazin: Es gibt kleine Inseln des Widerstandes. Wenn iranische Frauen in die Türkei reisen, reißen sie sich am Flugplatz das Kopftuch herunter und atmen auf. Oder die Frauen nehmen das Kopftuch nach hinten.

Köppel: Warum die Radikalisierung?

Sarrazin: Es geht darum, wie der Koran auszulegen, zu interpretieren ist. Ob er wörtlich befolgt werden muss oder nicht. Es gibt im Islam in der Vergangenheit kein Modell für einen modernen Staat mit Gewaltenteilung – es sind immer Despotien im klassischen Sinne.

Köppel: Wie könnte sich etwas verändern?

Sarrazin: Ich kann als Nichtgläubiger den Muslimen nicht vorschreiben, was sie tun sollen. Eine Reform des Islam kann nur von ihnen selbst ausgehen. Muslime müssen selbst bestimmen, was ihr Islam ist.

Das Kernproblem diese Religion ist die sexuelle Überhöhung des Mannes. Die zentrale Rolle liegt in der Unterdrückung der Frau. Sobald Frauen das tun dürfen, was sie wollen, fällt der Islam. Mädchen dürfen ab dem Alter von sieben, acht Jahren ihre Freunde nicht selbst wählen, nichtmuslimische Freunde werden ungern gesehen, sie können nicht einfach in die Disko gehen oder ihre Freizeit gestalten. Ihre Brüder wachen darüber, dass sie sich benehmen und eigentlich nur noch darauf warten, an ihren Cousin verheiratet zu werden.

Daher auch der Kopftuchstreit: Das Kopftuch bestimmt die Verhaltensrolle. Mädchen und Frauen dürfen über nichts mehr entscheiden. Auch nicht darüber, wie viele Kinder sie bekommen. Die Ehre des Mannes besteht darin, dass die Frauen nach seinem Verständnis des Islam leben. Solange das nicht aufbricht, geht nichts.

Je höher die Kopftuchquote desto höher die Unbildung und desto höher der Anteil der Transferleistungen. Also je höher der Fundamentalismus desto höher die Transferleistungen.

In Berlin ist es ähnlich. Im Wedding oder Neukölln sind 20 Prozent Muslime, aber bei den Schulkindern sind es 50 Prozent. In 40 bis 60 Jahren haben wir überall muslimische Mehrheiten – und wo sie die Mehrheit haben, wird die Demokratie abgeschafft.

Köppel: Wieso hat in der islamischen Welt noch keine Frau aufbegehrt?

Sarrazin: In der ganzen Religion sind Frauen der Untertan. Frauen gewinnen ihre Macht daraus, dass sie die Unterdrückungsmechanismen an die nächste Generation weitergeben. So wie die Beschneidung der Mädchen in den afrikanischen Staaten – die meisten Beschneider sind Frauen. So nach dem Motto: Ich musste das auch aushalten, nun bist du an der Reihe.

Fragen aus dem Publikum:

Gast: Wie kann man sagen „Wir schaffen das?“

Sarrazin: Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, mit der Wirklichkeit umzugehen. Ich schaue mich um, und versuche damit umzugehen. Kanzlerin Merkel bekam 2015 viel Beifall und Zuspruch für ihren Satz – und interpretierte dies wohl als inhaltliche Unterstützung.

Gast: Wie lange geben Sie dem System Merkel noch?

Sarrazin: Sie hat ein System, wie sie an der Macht bleibt – so lange, bis sie als Bundeskanzlerin abgewählt wird. Also 2021. Ich sehe keine Aussichten auf ein Misstrauensvotum oder ähnliches.

Gast: Der Buchtitel macht Angst. Kann man die Islamisierung noch stoppen?

Sarrazin: Das habe ich im 5. Kapitel des Buches dargelegt. Als Erstes muss die Einwanderung aus islamischen Ländern gestoppt werden. Als Zweites müssen wir einen anderen Anpassungsdruck ausüben, wir müssen bestimmte Dinge verlangen. Als Drittes brauchen wie saubere Statistiken, die Religionszugehörigkeit muss erfasst werden, überall. Dann kann man transparent nachvollziehen, wie die Zusammenhänge von Religion und Schulbildung, Beruf, Kriminalität, Transferleistungen oder wirtschaftlicher Stärke sind. Das wird auch muslimische Menschen anregen, darüber nachzudenken, wo sie stehen. Und man muss in den Schulen Kopftücher untersagen. Doch ich fürchte, dass Deutsche für solche Maßnahmen nicht hart genug sind.

Gast: Warum ist die SPD derartig islamgläubig und scheut sich vor einer offenen Debatte?

Sarrazin: Das ist die Falle, in die wir uns begeben haben. Wir verstehen Religion als subjektive, individuelle Angelegenheit, es ist mein ureigenes Verständnis zwischen mir und Gott. Es gibt in der SPD und in der CDU/CSU keinen, der überhaupt weiß, was der Islam ist. Unser Menschenbild wird unreflektiert übernommen. Wir denken, alle ticken so wie ich – das ist unser Grundirrtum.

Gast: Wenn wir uns mehr auf unsere christlichen Wurzeln besinnen würden … wäre das dann besser?

Sarrazin: Christlich sein ist eine persönliche Angelegenheit. Seit der Aufklärung verliert die Religion an Kraft. Ist es sinnvoll, den Aberglaube Islam gegen den Aberglauben des Christentums zu tauschen? Kein Staat darf bestimmen, was Religion ist – und man muss allen Religionen die Übergriffigkeit austreiben.

Epoch Times mit Thilo Sarrazin und Roger Köppel

ET: Nun leben wir ja schon etwas länger in einer Gesellschaft, die etwas freier ist. Doch plötzlich ist es nötig, dass wir hier einen Gipfel der Freien Rede haben, mit Eintritt, den die Menschen auch gern zahlen. Was ist los in unserer Gesellschaft, dass da auch bei den Nichtmuslimen kein Diskussionswillen zu sehen ist?

Sarrazin: Man kann den Hund nicht zum Jagen tragen – und man kann Menschen nicht zu Neugierde und ihrem Glück zwingen. Kant sagte mal, „Aufklärung ist die Befreiung aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit“. Wenn jemand die Unmündigkeit wählt, dann ist das seine Wahl und es ist nicht an mir, dies zu hinterfragen.

Die meisten Menschen sind sehr bequem, geistig bequem. Wenn sie sich einmal ein Weltbild geschaffen haben, wollen sie es nicht mehr hinterfragen. Sie sind aber auch bequem, was ihre soziale Einbettung angeht. Sie wollen nicht ihre soziale Bequemlichkeit verlieren.

ET: Wir sind ja beide schon etwas älter, hat sich nicht doch etwas verändert im Umgang miteinander?

Sarrazin: Ich habe ja als Zwanzigjähriger mit anderen Augen auf die Welt geblickt als jetzt. Vielleicht war 1965, als ich zwanzig war, der Opportunismus genauso wie heute, ich weiß es nicht.

Köppel: Ich vergleiche die heutige Situation gern mit der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert.

Immer mehr Menschen haben sich in dem Weltbild des Vatikan nicht mehr wiedererkannt. Dann sind sogenannte Reformatoren gekommen, sie sagten, es sei ein Machtmissbrauch, eine Fehlauslegung, so wie Luther. Heute ist es eine ähnliche Situation.

Es gibt eine Wirklichkeitsallergie der Medien und bestimmter Eliten. Die haben damit zu tun, dass verschiedene Machtgruppen sich auf eine bestimmte Konstellation der Lage geeinigt haben. Nun trifft dieses Wunschdenken auf eine völlig andere Realität.

Diese zeigt eine plötzliche Erosion in den Parteien, die zeigt, dass auf einmal Dinge passieren, die mit dem „Wir schaffen das“ nicht übereinstimmen.

Es ist völlig logisch, dass sich die Wirklichkeitsverwalter um ihre Deutungsmacht kümmern. Wenn die einstürzt, klammern sie sich nur noch fester daran. Das ist eine menschliche Konstante, der Mensch verdrängt. Der Mensch will die Wirklichkeit gar nicht sehen.

Die Menschen verdrängen alles, es ist tatsächlich eines der schwierigsten Dinge, sich mit der Wirklichkeit zu konfrontieren.

Die Aufgabe der Menschen, der Journalisten, der Manager, von allen in allen Stufen, in der Firma, als Chef, als Regierung, ist, sich die Fakten anzuschauen und Klartext zu sprechen. Man muss mit fundierten Fakten Klartext reden, gerade als Regierung. Es ist gerade als Chef meine Aufgabe, auf diese Fakten hinzuweisen. Aber das machen sie nicht – daher braucht es Menschen wie Herrn Sarrazin.

Wir sind die Wirklichkeitsbringer. Es ist schon das Bestreben, die Wirklichkeit zu sehen.

ET: Müsste man von oben nach unten gehen? Oder von unten nach oben … die Schulen haben nicht viel Macht, etwas zu verändern. Sie sind nicht gut darauf eingerichtet, Klassen mit mehrheitlich Migrantenkindern zu unterrichten.

Sarrazin: Wenn man in Machthierarchien zu tun hat ist es deren Aufgabe, die Realität anzuschauen. Dann hole ich mir andere Gesichter und gute Leute. Wenn das Volk agiert – die Regierenden merken, dass sich etwas ändert, sie sind ja nicht dumm. Wenn die Gedanken der Herrschenden voller Zweifel sind, kippt es. Dann wächst auch die Chance, dass sich etwas verändert. Daher muss man auch immer in das öffentliche Bewusstsein investieren, meine Bücher sehe ich als so eine Investition. Wenn die, die an den Schalthebeln sitzen, den Glauben verlieren, wächst die Chance auf Veränderung. Wie das wird, weiß man nicht.

Köppel: Die Frage, ob es etwas bewirkt, finde ich gar nicht so wichtig. Man macht einfach das, weil es richtig ist. Man macht es einfach, um etwas zu tun. Der Impuls, dass sich irgendwas verändert, kann von ganz weit außen oder von unten kommen. Auch von einem Buch. Wie bei „Deutschland schafft sich ab“. Der Bundespräsident und die Kanzlerin sagten, das dürft ihr nicht lesen. Da hat einfach so jemand ein Buch geschrieben. Doch dann hat es den ganzen Diskurs bewegt. Die Verantwortung liegt in einer demokratischen Gesellschaft bei den Bürgern. Machen wir eigentlich etwas? Oder warten wir wie andere … auf eine Anweisung von oben? Wir sind die Bürger, wir müssen uns auch bewegen, die Verantwortung übernehmen.

Sarrazin: Wenn heute 300 Leute optimistisch nach Hause gehen und jeder mit drei anderen redet, dann sind es schon Tausend.

Köppel: Zum Schluss hat man selbst die Verantwortung, man kann es nicht abschieben nach oben.

Sarrazin: Das koranisch geprägte Denken ist auf Konditionierung ausgerichtet – das ist das Gegenteil des freien, forschenden Geistes. Das westliche System beruht eben darauf, dass man sagt, jeder denkt selbst. Das ist ein anderes Modell als das hermetische Modell des Islam.

ET: Gibt es eigentlich eine Qualitätsprüfung, eine fachliche Prüfung für Politiker? Die Frage ist auch, wir brauchen Wissen dazu, wie die Wirklichkeit in der Welt aussieht. Menschen reisen immer mehr und wissen immer weniger vom Alltag der Menschen.

Sarrazin: Alle reisen, sie kaufen ein Ticket, bezahlen mit Karte, sie sprechen ein gewisses Pidgin-Englisch. Sie haben Navigatoren und wissen gar nicht mehr, wo Norden, Süden, Westen und Osten ist – alles sieht gleich aus. Sie reisen immer mehr und wissen immer weniger von der Welt. Man kann dann testen, welche Art von Blödheit schwerwiegender ist für die Welt.

ET: Zurück zu den Politikern. Wer sagt mir, dass ich mich auf sie verlassen kann?

Sarrazin: Niemand. Das ist ja das Wesen des demokratischen Prozesses. Man muss dafür sorgen, dass die, die Funktionen übernehmen, gut ausgebildet sind. Wenn der Staat gut organisiert ist, dann sind Beamte auch gut ausgebildet. Der Justizminister muss nicht unbedingt Jurist sein, aber seine Staatssekretäre und Richter. Die, die eine tatsächliche Funktion haben, müssen eine gewisse Qualität haben. Ein gutes System funktioniert auch mit unwissenden Ministern, wenn auch nicht so gut. Wenn ich das anders machen wollte, müsste ich einen überdemokratischen Filter einführen. Das hat zum Beispiel der Iran, der Iran ist eine Demokratie, aber der Wächterrat sucht die raus, die passend sind. Man muss wohl hier eher die Risiken unwissender Minister aushalten, als so eine Instanz zu schaffen.

Auch umgekehrt wird ein Schuh daraus: Je dümmer die Bevölkerung, desto dümmer sind auch die Politiker. Die Bevölkerung lässt sich leichter täuschen. Die kolossale Oberflächlichkeit des Volkes spiegelt auch die kolossale Oberflächlichkeit der Politiker wider. Das ist eben Demokratie.

Köppel: Wer hat in einer Demokratie die Verantwortung? Es ist immer die Frage, wer ist verantwortlich. Der Politiker ist dem Volk gegenüber verantwortlich, ob sie ihn wiederwählen ist eine entsprechende Frage. Der Chef ist das Volk. In der Schweiz ist das Volk auch der oberste Verfassungsrichter, auch wenn es mittlerweile auch andere Ansichten dazu gibt. Es gibt kein Gesetz, das nicht vom Volk beschlossen wurde. Das Volk muss auch die Politiker ertragen, die es gewählt hat.

Das ist für mich die Gefährlichkeit der Konstruktion der europäischen Union. In der EU ist es fast unmöglich, Entscheidungswege und Verantwortlichkeiten zu eruieren. Alle sind in der Europäischen Union für alles verantwortlich – aber niemand für etwas. Man weiß gar nicht, wo es hingeht. Politiker entrinnen etwas der Kontrolle des Volkes. Demokratie ist brutal. Das Volk ist verantwortlich für die Qualität der Politiker. Das Volk muss das entscheiden.

Sarrazin: Franz-Josef Strauß war der beste Jurist seines Jahrgangs in der Justizverwaltung in Bayern – im Gegensatz zu Kohl. Als Helmut Kohl ein Jahr Kanzler war, wurde er auf seine Leistungen angesprochen. Strauß antwortete: „Das Gute an Helmut Kohl ist, dass sich nun jeder Deutsche vorstellen kann, Kanzler zu sein.“

Hinweis: Wien (5.10). Sie nennen es „Gipfel der freien Rede“ und man kann und sollte die Karten rechtzeitig online buchen WELTWOCHE – SARRAZIN