Kanzlerin in Essen: Flüchtlingsgegner schimpft – so antwortet Angela Merkel

Peter Sieben in www.derwesten.de/
Angela Merkel beim Politischen Forum Ruhr in der Philharmonie Essen.
Angela Merkel beim Politischen Forum Ruhr in der Philharmonie Essen.
Foto: Peter Sieben

Essen. Schon die erste Wortmeldung aus dem Publikum hatte es in sich: „Es kann nicht sein, dass Deutschland ganz Afrika ins Land holt“, knallte ein Herr mit wenig Haaren – nach eigener Auskunft ein Unternehmer – Angela Merkel entgegen.

Und der ganze Alfried-Krupp-Saal, wo rund 2500 geladene Gäste beim Politischen Forum Ruhr saßen, brach in ein derart gewaltiges Buh-Gewitter aus, dass der Unternehmer sich mit rotem Kopf wieder auf seinen Sitz kauerte.

„Es gilt die Meinungsfreiheit, das ist schon in Ordnung“

Die Kanzlerin reagierte gelassen. „Es gilt ja die Meinungsfreiheit, das ist schon in Ordnung“, sagt sie. „Wenn Würde und Wohlstand nur für Deutsche gelten und spätestens an den europäischen Grenzen aufhören sollen, dann haben wir hier kein ruhiges Leben“, so Merkel.

Klar, das Flüchtlingsthema muss ja irgendwann kommen, wenn Angela Merkel im Raum ist.

Eigentlich ging es am Dienstagabend in der Philharmonie Essen aber um etwas anderes: Soziale Marktwirtschaft.

Merkel adaptiert Kernthema der SPD

Um soziale Gerechtigkeit sollte es gehen, um die Schere zwischen Arm und Reich. Eigentlich ein Kernthema der SPD – das Angela Merkel im bevorstehenden Wahlkampf nun aber offenbar adaptiert.

Und das, indem sie an diesem Abend immer wieder Ludwig Erhard zitierte, der als zweiter Bundeskanzler der BRD geradezu als Erfinder der Sozialen Marktwirtschaft gilt.

Klingt fast nach FDP

Geht es nach Angela Merkel, wird Wirtschaftsliberalismus Deutschland die Gerechtigkeit bescheren. Die These: Reichtum für alle geht nur über Wachstum und freie Märkte. Klingt fast nach FDP.

„Je größer ein Kuchen ist, desto mehr gute Stücke sind für jeden einzelnen da“, so Merkel.

„Wann ist denn jemand reich?“, wollte Jörg Quoos, Chefredakteur der Funke Zentralredaktion, von der Kanzlerin wissen. „Reich beginnt für mich da, wenn man sich keine permanenten Sorgen um das alltägliche Leben machen muss und endet bei einer Skala, von der ich keine Vorstellung habe“, so die Kanzlerin.

Zeit für ein Foto mit Rettungssanitätern

Höhere Steuerbelastungen für Spitzenverdiener soll es übrigens mit ihr nicht geben, so die Kanzlerin. Denn das würde die Familienunternehmen unnötig belasten, die zum Wachstum von Deutschland maßgeblich beitrügen.

Rund 90 Minuten dauerte der Auftritt der Kanzlerin, die offenbar in Eile war. Für zwei Rettungssänitäter, die schüchtern um ein Foto baten, nahm sie sich dann doch noch ein paar Sekunden.

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