Russland und das Geld der Zukunft

Das verteilte System „Etherum“ und die dazugehörige Kryptowährung „Ether“ werden immer stärker vom russischen Staat gefördert und unterstützt. Das Land hat eine Kehrwende gemacht und könnte zum Vorreiter für Blockchain-Zahlungssysteme werden.

Hier eine Liste der Kryptowährungen http://coinmarketcap.com/all/views/all/

Die russische Wirtschaft hat ein großes Problem: Mit den Gas- und Ölreserven schwindet auf lange Sicht auch die Grundlage für den wichtigsten Industriesektor des Landes. Umso ratsamer erscheint es, sich bereits jetzt nach zukunftsfähigen Alternativen für eine nationale Kernbranche umzusehen.

Hier könnte der noch junge Markt für digitales Geld ins Spiel kommen. Ether, die weltweit erfolgreichste Kryptowährung hinter dem bekannten Bitcoin, hat die Aufmerksamkeit der Regierung auf sich gezogen. Präsident Wladimir Putin traf sich im Rahmen des SPIEF 2017 mit dem russischen Entwickler der Währung, Witalik Buterin. Der 23-jährige Programmierer war auch an der Entwicklung des Bitcoin beteiligt, bevor er Ende 2013 selbst den Ether schuf.

Putin trifft Ethereum-Gründer Buterin

Putin sicherte Buterin seine Unterstützung bei der Etablierung eines sogenannten Blockchain-Systems über lokale Partner zu. Hierunter ist ein gesichertes Datenbanksystem für digitale Transaktionen zu verstehen, das als technische Grundlage für Kryptowährungen dient.

Der russische Präsident verspricht sich viel vom Währungsmodell Ethereum und den unternehmerischen Strömungen im Netz. „Die digitale Wirtschaft ist keine separate Industrie, sie ist von essentieller Bedeutung für die Gründung brandneuer Geschäftsmodelle“, prophezeite Putin.

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Buterin wiederum versuchte auf der Veranstaltung, die noch immer weit verbreiteten Vorbehalte gegenüber dem Konzept einer Kryptowährung zu entkräften. Die Menschheit befinde sich auf dem Weg in eine Zukunft, in der alle Industrien auf die Blockchain-Technologie zurückgreifen würden. Das System sei nicht nur eine Hilfe für wenige Hacker, sondern könnte sich auch für Banken als nützlich erweisen.

Experimentierfreude mit Kryptowährungen

Mit seinen optimistischen Visionen scheint Buterin nicht alleine zu sein. Die russische Regierung und Industrie hoffen mit Ethereum auf eine neue Art der Geldtransaktion, die sich schneller und auch sicherer gestalten lässt. Die digitale Währung befindet sich im Aufschwung: Bereits jetzt hat die russische Zentralbank eine Blockchain für Ether errichtet, die als Pilotprojekt dient. Unterstützt wird man dabei unter anderem von der Sberbank. Ende Mai hat das staatliche Kreditinstitut Wneschekonombank erklärt, Ether für einige administrative Funktionen nutzen zu wollen.

Ungefähr zur selben Zeit begannen in den Medien Berichte darüber zu kursieren, dass die Zentralbank plane, Kryptowährungen als digitale Güter anzusehen. Mit der offiziellen Anerkennung des digitalen Geldes müsste dann auch eine Besteuerung einhergehen. In der Duma soll die Diskussion über eine entsprechende Gesetzgebung bereits im Gange sein.

Doch auch im Ausland kann Ethereum Erfolge verzeichnen. So hat Singapur vor kurzem einen Bericht veröffentlicht, in dem es vorgibt, Tests mit der Ethereum-Blockchain durchgeführt zu haben. Man möchte die Technik eventuell nutzen, um eine nationale Digitalwährung einzuführen. Gleichzeitig stellen sich Firmen wie Toyota und Microsoft, als Mitglieder der sogenannten Enterprise Ethereum Alliance, hinter die Währung.

Gesinnungswandel bei russischer Regierung

Es sind Entwicklungen wie diese, die den Ether vorantreiben. Die Währung entwickelt sich zu einer echten Bitcoin-Alternative. Seit einiger Zeit wächst der Marktanteil der russischen Onlinewährung, während die Werte für den Bitcoin fallen. Derzeit scheint der Kreml vieles dafür tun zu wollen, dass dieser Trend auch weiterhin anhält. Russland könnte eine entscheidende Rolle bei der weltweiten Etablierung von Kryptowährungen spielen.

Dabei hatte man in Russland vor wenigen Jahren noch kontrovers über den Umgang mit Kryptowährungen diskutiert. So drohte man zu Beginn noch mit Geld- und Haftstrafen für Bitcoin-Nutzer, bevor schließlich die politische Wende eingeleitet wurde. Mitte 2017 soll überprüft werden, ob sich Bitcoin als Zahlungsmittel realisieren lassen. Die Zentralbank bereitet inzwischen einen Gesetzentwurf vor.

Die erfolgreiche Geschichte des „Kolion“

Ein Beispiel dafür, wie man erfolgreich mit digitalem Geld wirtschaften kann, findet sich im Land bereits: Ein russischer Farmer namens Michail Schjapnikow hat mithilfe seiner eigenen Kryptowährung innerhalb von zwei Monaten rund zwei Millionen US-Dollar verdienen können. Die eigens von ihm erstellte Währung, der Kolion, fand innerhalb kürzester Zeit etliche Investoren. Seit dem Handelsstart im Mai konnte der Kolion seinen Wert auf knapp unter 2 US-Dollar verdoppeln.

Als im Jahr 2014 die Finanzkrise dazu führte, dass Landwirten zunehmend Kredite verwehrt wurden, beschloss man im Moskauer Dorf Kolionowo, eine eigene Währung zu kreieren. Die durchaus erfolgreiche Idee einer eigenen Währung als Ausweg wurde jedoch vom Staat ausgebremst. Ein Gericht beschloss ein Verbot der Kolions, welche das Dorf zu Beginn noch drucken ließ.

Um dennoch an Geld für seinen Betrieb zu kommen, wählte Schjapnikow den digitalen Weg. Der Kolion wurde zum Wertgegenstand, den man mit Bitcoins oder anderen virtuellen Währungen erwerben konnte. Das russische Branchenprojekt ist weltweit eines der ersten, die das Blockchain-System nutzen, um Investoren zu akquirieren. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden ihm noch einige andere folgen.

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