Kommen sie? Zwangshypotheken auf Immobilien – Das gab es schon mal

Quelle: www.auriculum.at

Zwangshypotheken auf Immobilien - Das gab es schon mal

Die Besteuerung von Immobiliengewinnen ist erst der Anfang. Eine Vermögenssteuer für Reiche wird schon lange diskutiert. Aber es gibt noch radikalere Vorschläge, wie beispielsweise eine einmalige Abgabe von 10 % des Nettovermögens, um die Staatsschulden in Europa wieder auf den Level vor der Finanzkrise zurückzuführen (ein Gedankenexperiment des IWF, das im Oktober 2013 zu einem medialen Aufschrei führte). Allerdings wäre letzteres mit enormen administrativem Aufwand in Zusammenhang mit der Nettovermögens-Schätzung verbunden.

Pragmatischer und leichter umsetzbarer erscheint eine Zwangsabgabe auf Immobilien in Form einer Zwangshypothek, die von den Immobilienbesitzer im Laufe der Jahre abbezahlt werden muss. Ein wahrscheinliches Szenario könnte eine Zwangshypothek auf alle Liegenschaften jenseits des Hauptwohnsitzes sein oder eine Abgabe auf einen Gesamtverkehrswert von beispielsweise über 500.000 Euro. Auch wenn die heutige Zeit mit den 20er- und 40er-Jahren nicht mehr vergleichbar ist, so ist es Tatsache, dass es in Extremszenarien der Vergangenheit bereits zu Zwangshypotheken gekommen ist und angesichts der zunehmenden Vermögens-Verteilungs-Debatten  eine Vermögensabgabe in Form einer Zwangshypothek auf Liegenschaften durchaus in Betracht gezogen werden könnte.

In der Vergangenheit gab es diese Abgaben nach 2 verlorenen Weltkriegen. Das waren Extremszenarien und deshalb sollte man die historische Betrachtung auch im Kontext der damaligen Ereignisse durchführen:

1923 Hyperinflation:

Die Gelder zur Finanzierung der Reparationszahlungen aus dem verlorenen Ersten Weltkrieg waren nicht vorhanden, weshalb die junge Weimarer Republik zur Finanzierung der Kriegsfolgen die Notenpresse anwarf. Ähnlich wie in den 80er-Jahren in zahlreichen Entwicklungsländern befand sich der Außenwert der Währung im Sturzflug, Importe wurden unerschwinglich und im Inlandsmarkt verteuerten sich schließlich stündlich die Preise. Als der US-Dollar dann auf 4,2 Billionen Mark stieg und die Inflationsrate geschätzte 750 Milliarden Prozent erreichte, setzte am 15. November 1923 die Währungsreform mit der Einführung der Rentenmark den Schlussstrich. Eine Billion Papiermark wurden gegen eine Rentenmark getauscht, was dem Wert von 15,4 Pfennigen des Jahres 1914 entsprach.

Da das Deutsche Reich zur Deckung des Grundkapitals der neugegründeten Zentralbank (Rentenbank) nicht über die erforderlichen Goldvorräte verfügte, wurde der Grundbesitz von Landwirtschaft, Industrie und Gewerbe mit einer Zwangshypothek von 3,2 Milliarden Rentenmarkt belastet. Nur wer rechtzeitig in Gold, Diamanten, Eigenheime und ausländische (US-amerikanische und britische) Aktien und Anleihen investierte, konnte sein Geld in Sicherheit bringen und dann in der verarmten Weimarer Republik für kurze Zeit große Güter, Firmen und Geschäfte erwerben. Wer hingegen über viel Grund und Boden verfügte, musste hohe Abgaben in Form einer Rückzahlung von Zwangshypotheken leisten.

Währungsreform von 1948

Um den kurzfristigen Geldüberhang zu beseitigen und eine nachhaltig stabile Währung zu schaffen wurde mit der Währungsreform von 1948 der Schlussstrich unter die Wirtschaft des Dritten Reiches gezogen. Der Staat entledigte sich der Schulden und die Alliierten holten sich ihre „Bezahlung“ über Zwangshypotheken. Die bestehenden Schulden wurden im Verhältnis 10 zu 1 umgestellt, während Sparguthaben im Verhältnis 100:6,5 umgestellt wurden. Würde heute dieser Maßstab angelegt, würden aus 250.000 Euro Schulden in alten Euro 25.000 Euro Schulden in neuen Euro, während aus Guthaben in Höhe von 250.000 Euro nur noch 16.250 neue Euro würden.

Die Schulden würden somit im Verhältnis zu den Cashreserven um 54 % steigen. Doch es kam damals noch schlimmer, da Immobilien mit Zwangshypotheken zu Gunsten der drei Besatzungszonen belastet wurden, die in den darauffolgenden Jahren durch die betroffenen Immobilieneigentümer abbezahlt werden mussten, was einer Immobiliensteuer gleichkam. Gut davon kam man mit Gold und ausländischen (britischen, Schweizer und amerikanischen) Aktien, Anleihen und Bankguthaben.

Fazit:

Auch wenn heute die geopolitischen Rahmenbedingungen in Europa, insbesondere innerhalb der EU als besonders stabil gelten, sollte die Grundidee einer Geldbeschaffung über die Immobilienbesitzer nicht vergessen werden. Wer sein Geld ausschließlich in Immobilien anlegt, läuft nämlich Gefahr, zukünftig verstärkt zu „Sonderabgaben“ herangezogen zu werden und auch sinkenden Immobilienpreisen zum Opfer zu fallen, denn Vermögenssteuern oder Zwangshypotheken würden die Immobilienpreise massiv unter Druck setzen.

Wer unter allen Risikoaspekten möglichst sicher veranlagen möchte, sollte auf mehrere Anlagekategorien streuen, nämlich Anleihen (derzeit entweder Fremdwährungsanleihen supranationaler Organisationen und staatlicher Förderbanken und/oder vereinzelte EM-Bonds in lokaler Währung), Cash (auf Sparkonten und „unter dem Kopfpolster“), Aktien, Immobilien, Crowd-Investing u. Private Equity, Zweitmarktpolizzen, Managed Futures Funds sowie physisches Gold und Silber.