Recherche: Hillary Clinton verantwortlich für Saringas-Geheimoperation und Tod Tausender Syrer

Recherche: Hillary Clinton verantwortlich für Saringas-Geheimoperation und Tod Tausender Syrer
Laut Recherchen des investigativen US-Journalisten und Pulitzer-Preisträgers Seymour Hersh ist die US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton verantwortlich für eine Geheimoperation im Jahr 2012, in welcher Sarin aus libyschen Giftgas-Beständen mit Hilfe der CIA nach Syrien geschmuggelt und dort von islamistischen Rebellen eingesetzt wurde. Der Giftgasanschlag wurde später der al Assad-Regierung in die Schuhe geschoben und sollte als Vorwand für eine Militär-Intervention der USA dienen.

Von Rainer Rupp

Ist die US-Präsidentschaftskandidatin für Tausendfachen Giftgasmord verantwortlich? Das hat jedenfalls der vielfach ausgezeichnete, weltbekannte US-Enthüllungsjournalist Seymour Hersh jetzt in einem Interview mit Alternet.org behauptet. Obamas ehemalige Außenministerin Hillary Clinton sei nicht nur die Hauptverantwortliche, sondern auch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit über alle Details einer mörderischen Geheimdienstoperation informiert gewesen, die vor knapp drei Jahren für über Tausend syrische Zivilisten einen grausamen Tod zur Folge hatte.

Im Rahmen dieser Operation brachten in 2012 islamistische Rebellen das tödliche Giftgas Sarin aus den Beständen der geschlagenen libyschen Armee mit aktiver Hilfe der CIA nach Syrien. Dort haben dann syrische Halsabschneider der von Saudi Arabien und der Türkei unterstützten Al-Kaida Nachfolgeorganisation Al-Nousra im Verein mit den von Washington offiziell geförderten, sogenannten „gemäßigten Terroristen“ am 21. August 2013 das Sarin in der syrischen Stadt Ghuta eingesetzt.

Bei dem Sarin-Einsatz starben geschätzte 1.200 Menschen, unbeteiligte Männer, Frauen und viele Kinder, einen qualvollen Tod. Damals wurde der grausige Anschlag von westlichen Regierungen und Medien einstimmig und sofort und ohne weitere Prüfung der rechtmäßigen syrischen Regierung in Damaskus in die Schuhe geschoben. Die neokonservativen Kriegstreiber in den USA und Europa ereiferten sich, der syrische Präsident Assad habe damit die von Präsident Obama gezogene, so genannte „Rote Linie“ überschritten. Unter Verweis auf das angeblich gelungene Beispiel Libyen drängten sie mit Macht auf den Beginn eines westlichen Luftkriegs gegen Syrien. Damit sollte die syrische „Opposition“ in Damaskus an die Macht gebombt werden, obwohl schon damals eine – seither veröffentlichte – Analyse der DIA (Der militärische Nachrichtendienst der USA) davor gewarnt hatte, dass die so genannte „syrische Opposition“ so gut wie ausschließlich aus fanatisierten, islamistischen Gewaltextremisten bestand.

In zwei früheren Untersuchungen in der “London Review of Books” –„Whose Sarin“ (Wessen Sarin?) vom Dezember 2013 und „The Red Line and the Rat Line“  (Die Rote Linie und die Rattenlinie) vom April 2014 – hatte Seymour Hersh bereits nachgewiesen, dass die Obama-Regierung fälschlicherweise der Assad-Regierung die Schuld für den Sarin-Anschlag gab, um den Vorwand als Kriegsgrund zu nutzen. Hersh verwies darin auch auf einen Bericht von Experten des britischen Geheimdienstes, wonach das in Ghuta eingesetzte Sarin nicht aus den Lagerbeständen der syrischen Armee kam. Hersh enthüllte auch, dass eine im Jahr 2012 geschlossene Geheimvereinbarung zwischen dem US-Außenministerium, den Regierungen der Türkei, Saudi-Arabiens und Katars gab, wonach ein unter falscher Flagge geführter Sarin-Angriff Assad angelastet und den Vorwand für ein direktes militärisches Eingreifen der USA und ihrer Verbündeten liefern sollte.

In „Die Rote Linie und die Rattenlinie“ schrieb Hersh damals:

„Laut der Bedingungen der Vereinbarung kam die Finanzierung aus der Türkei, sowie aus Saudi Arabien und Katar, die CIA, mit der Unterstützung von MI6, war verantwortlich dafür, dass die Waffen aus Gaddafis Arsenalen nach Syrien geliefert wurden.“

Dafür, dass es damals Giftgasvorräte, darunter Sarin, in den Arsenalen Gaddafi gab, gibt es außer den Untersuchungen von Hersh auch unabhängige Berichte, z.B. hier, und hier und hier. Daraus geht auch hervor, dass das US-Konsulat in Bengasi, die Hochburg islamistischer Rebellen in Libyen, eine „Rattenlinie“ in Form des Schmuggels von Gaddafis erbeuteten Waffen durch die Türkei nach Syrien betrieben hat.

Hersh ist nicht der einzige investigative Reporter, der die False Flag des Sarinanschlags in Syrien aufgedeckt hat. Christoph Lehmann veröffentlichte z.B. am 7. Oktober 2013 seine Rechercheergebnisse unter dem Titel: „Top Regierungsbeamte der US und Saudi-Arabiens sind für den Chemiewaffeneinsatz in Syrien verantwortlich“. Auf der Grundlage von signifikant unterschiedlichen Quellen als die von Hersh verwendeten, kam auch Chris Lehmann zum selben Schluss:

„Die Spur der Beweise führt direkt zum Weißen Haus, zum Vorsitzenden der Joint Chiefs of Staff Martin Dempsey, zu CIA-Direktor John Brennan, zum saudischen Geheimdienstchef Prinz Bandar und zum Innenministerium Saudi-Arabiens.“

Und als ob das nicht genug wäre, auch die endgültige Analyse der von der US-Regierung nach dem Anschlag gesammelten Beweismittel durch zwei führende US-Analysten, die im Lloyd-Post Bericht des weltberühmten MIT-Instituts in Boston veröffentlicht wurde, ergab, dass „die Interpretation der forensischen Beweismittel, die die US-Regierung vor und nach dem Angriff vom 21. August gesammelt hat, können unter gar keinen Umständen korrekt sein.“

Doch welche Rolle hat die derzeit aussichtsreichste Kandidatin der Demokratischen Partei auf die US-Präsidentschaft, Hillary Clinton, in diesem inzwischen auf weiten Strecken aufgeklärten, verbrecherischen Komplott gespielt? In dem eingangs erwähnten Interview mit Alternet.org hat Hersh die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton zum ersten Mal direkt mit der Bengasi „Rattenlinie“ in Zusammenhang gebracht. Der von Seiten des US-Außenministeriums vor Ort in Bengasi für die Geheimoperation verantwortliche US-Botschafter Christopher Stevens war am 11. September 2012 gemeinsam mit einigen seiner geheimdienstlichen Mitarbeitern von einer der konkurrierenden, lokalen Islamistengruppen erschossen worden. Auf diesen Botschafter Stevens bezieht sich Hersh im Alternet.org Interview, wenn er sagt:

„Der Botschafter, der getötet wurde, war als Mann bekannt, der sich nicht in irgendeiner Weise der CIA in den Weg gestellt hätte. Wie ich bereits geschrieben habe, hat er sich am Tag der Verladung [der Waffen] mit dem lokalen CIA-Chef und Vertretern der Rederei getroffen. Er war sicherlich bewusst daran beteiligt und war sich auch vollkommen im Klaren, worum es ging. Und da gibt es einfach keine Möglichkeit, dass jemand, der in einer solch sensiblen Position war wie er, nicht zuvor mit dem Chef gesprochen hat, egal über welchen Kanal.“

Und der Chef aller US-Botschafter war damals Außenministerin Hillary Clinton, die „Königin des Chaos“, wie der Titel des sehr lesenswerten, jetzt auf Deutsch erschienenen Buchs von Diana Johnstone heißt.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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UN-Tribunal für Bush und Obama – „Warum eigentlich nicht lebenslänglich?“

Bush ObamaGeradezu euphorisch notierten die deutschen Medien in diesen Tagen die Verurteilung des ehemaligen bosnisch-serbischen Präsidenten Radovan Karadzic wegen Völkermordes. Die TAGESSCHAU, ein zentraler Taktgeber des bundesrepublikanischen Medien-Orchesters, fragte in einer Überschrift sogar strafverschärfend: „Warum eigentlich nicht lebenslänglich?“

Von solch juristischer Kühnheit sind deutsche Medien in einem anderen Fall völlig frei: Immer wenn das scharfe Schwert des Völkerrechts die USA treffen könnte, schweigt das offizielle und öffentliche Deutschland beredt.Traditionell begann auch der Irak-Krieg mit einer Lüge. Jener über Massenvernichtungsmittel, die der Irak angeblich besitzen sollte, aber nicht besaß. Brav kolportierten die deutschen Medien den Betrug. Eine Entschuldigung steht bis heute ebenso aus wie eine Selbstanalyse der Kriegsbefürworter. Der Krieg endet leider bis heute nicht. Aber die geschätzten Opferzahlen nach dem offiziellen Kriegsende im Irak – von 109.000 Opfern (US-Kriegsministerium) bis zur Studie der John Hopkins University, die von 654.965 Toten durch den Krieg und die Kriegsfolgen ausgeht – überschreiten die Zahlen der diversen Jugoslawienkriege bei weitem.

Auch an Grausamkeit lassen sich die USA und ihre Verbündeten nur schwer übertreffen: Vom bekannten Foltergefängnis Abu-Ghraib, über die düsteren Gefängnisse der US-Behörden im Ausland, bis zum Einsatz von Uranmunition und weißem Phosphor gegen die Männer, Frauen und Kinder eines zivilen Protestes im irakischen Ort Falludscha. Zwei Jahre nach den Angriffen vom Frühjahr 2004 traten dort in sehr großer Zahl, überwiegend bei Kindern, Fälle von Leukämie, Meningitis, Thalassämie, Septicämie, angeborene Missbildungen der Nieren und Gehirntumore auf.

Schon bei der psychologischen Vorbereitung des Krieges, den mörderischen Sanktionen der USA gegen die irakische Bevölkerung, erreichten US-Offizielle einen seltenen Höhepunkt des Zynismus. Jene 500.000 irakischen Kinder, die im Ergebnis der Strafsanktionen unter George H. W. Bush und Bill Clinton starben, kommentierte die US-Außenministerin Albright fröhlich mit „ein Preis, der es wert war“.

Mehr zum Thema: Trump: „Welt wäre sicherer mit Hussein und Gaddafi“

US-Bombenangriff auf Krankenhaus in Kundus
© REUTERS/ STRINGER

Neben den faktischen Verbrechen sind auch die juristischen nicht unbekannt. Selbst der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages vertrat die Auffassung, dass die USA kein Mandat der Vereinten Nationen für ihren Krieg hatten. Oder, um es mit den Worten des Völkerrechtlers Michael Bothe zu sagen: „Hier zeigt sich eine Entwicklung, die dahin geht, dass die USA bewusst das Völkerrecht im Sinne einer hegemonialen Weltordnung umgestalten wollen.“ Fraglos brachen die USA und ihr Oberbefehlshaber George W. Bush das Verbot eines Angriffskrieges, wie es in der UN-Charta festgelegt ist. Und ebenso fraglos wäre das ein Fall für den „Internationalen Strafgerichtshof“.Ein weiteres Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages trägt den bedeutenden Titel „Ausübung militärischer Gewalt durch ausländische Staaten von Militärbasen“ und verurteilt den Einsatz von US-Drohnen als „völkerrechtswidrige Militäroperationen“. Wieder ist es ein US-Oberbefehlshaber, der mit schrecklicher Regelmäßigkeit völkerrechtswidrige Anschläge anordnet: Präsident Barack Obama lässt sich regelmäßig eine Liste für gezielte Tötungen vorlegen. Er ist Richter und Henker zugleich. Inzwischen genügt schon der bloße Verdacht auf terroristische Aktivität, um einen Drohnen-Einsatz zu legitimieren. Wie bei den gewöhnlichen Terror-Attentaten, die zurzeit die Schlagzeilen dominieren, ist die Zahl ziviler Opfer der angeblich gezielten „Operationen“ beträchtlich. Mit Obama drängt sich die nächste Anklage vor dem „Internationalen Strafgerichtshof“ geradezu auf. Allerdings nicht in den deutschen Gewohnheits-Medien.

Mehr zum Thema: Doppelmoral auf Amerikanisch und schwarze Folgen farbiger Revolutionen

Gespräche über eine Syrien-Regelung in Wien
© REUTERS/ BRENDAN SMIALOWSKI/POOL

Und wahrscheinlich auch nicht vor dem Gerichtshof. Obwohl die Institution höchst geeignet wäre. Umfasst ihr Verfolgungsgebiet doch Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen und Völkermord sowie das Delikt des Verbrechens der Aggression. Und so ziemlich all diese Delikte sind bei den erwähnten Präsidenten der USA festzustellen. Aber die USA haben dem Generalsekretär der Vereinten Nationen als dem Verwahrer des Gerichtshof-Statuts bei dessen Gründung mitgeteilt, dass sie nicht beabsichtigen, das Statut zu ratifizieren. Die Vereinigten Staaten verweigern sich schlicht der internationalen Gerichtsbarkeit.Aber der Fall Karadzic lässt hoffen. Sind dessen Verbrechen doch lange vor Gründung des Gerichtshofes auf dem Territorium eines Staates verübt worden, der das Statut gar nicht hat unterschreiben können. Offenkundig darf das Gericht also auch rückwirkend und gegen Nicht-Unterzeichner tätig werden. Vielleicht kann die TAGESSCHAU dann künftig auch in den Fällen Bush und Obama die Frage stellen: Warum eigentlich nicht lebenslänglich?

Quelle: rationalgalerie.de

Die Meinung des Autors muss nicht mit dem Standpunkt der Redaktion übereinstimmen.

Weiterlesen: http://de.sputniknews.com/kommentare/20160328/308763277/un-tribunal-bush-obama.html#ixzz47oxEwgLl

Weltweite US-Dominanz: Das Ende naht

Der Politologe Fjodor Lukjanow macht sich darüber Gedanken, wie die Präsidentschaftswahl in den USA das Ende des üblichen Globalisierungsmodells vorhersagt.

Die Ereignisse der letzten Tage, die mit dem Wahlkampf in den USA verbunden sind, dürften ernsthafte Folgen für die ganze Welt nach sich ziehen.

Nach dem Sieg von Donald Trump bei den Vorwahlen in Indiana sind seine letzten beiden Rivalen im Kampf um die Nominierung der Republikanischen Partei aus dem Rennen ausgeschieden.

Anscheinend kann die Teilnahme des für viele Skandale berüchtigten Milliardärs an der Präsidentschaftswahl kaum verhindert werden (es wird jedoch solch einen Versuch beim Parteitag geben).

Unabhängig vom Ausgang der Wahl (die Erfolgschancen von Hillary Clinton sind wohl groß) bedeutet dies eine große politische Erschütterung, einen Stimmungswandel in der US-Gesellschaft.

Barack Obama veröffentlichte eine Kolumne in der „Washington Post“. Der US-amerikanische Präsident äußerte erneut — diesmal jedoch noch drastischer als früher —, dass gerade die USA zusammen mit ihren Verbündeten die Regeln des Welthandels schreiben sollen, wobei dies kaum jemandem noch erlaubt werde, vor allem nicht China. Der Artikel enthält einen direkten Hinweis auf den Wahlkampf, bei dem das Thema China eine große Rolle spielt. Das praktische Ziel ist eine schnelle Ratifizierung des TPP-Vertrages (Transpazifische Partnerschaft), der im November von zwölf Ländern der Asien-Pazifik-Region unter der Schirmherrschaft Washingtons unterzeichnet wurde, durch den Kongress.

Inzwischen erklärte Frankreich seine fehlende Bereitschaft, jetzt den TTIP-Vertrag zu unterzeichnen — das amerikanisch-europäische Pendant zum TPP. Das Weiße Haus rechnet damit, die TTIP-Verhandlungen bis zum Ablauf von Obamas Amtszeit im Januar 2016 zu beenden. Diese Warnung sorgte für Aufsehen auch in anderen westeuropäischen Ländern, vor allem in Deutschland. Zuvor sickerten geheime Dokumente über den Verlauf des Prozesses durch, bei dem es hieß, dass die USA die EU unter großen Druck setzen und zur Annahme der Bedingungen drängen, die für das vereinigte Europa unvorteilhaft sind.

Diese drei Nachrichten gehören in eine Reihe, weil sie zeigen, in welche Richtung sich die Politik der einflussreichsten Macht bewegt, deren Prioritäten und Herangehensweisen globale Tendenzen bestimmen.

Trump ist ein Schock für das politische Establishment. Kaum jemand konnte vermuten, dass dieser exzentrische Politiker Dutzende Rivalen mit deutlich mehr politischer Erfahrung und guten Verbindungen hinter sich lassen würde.

Das Trump-Phänomen äußert sich in der Fähigkeit, die passiven Wähler zu mobilisieren —  die ärmer werdende Mittelklasse, diejenigen, die vor dem sozialen Abstieg Angst haben.

Der Bau-Tycoon aus Queens schlägt eine verständliche Antwort vor, wer an allem schuld ist – die korrumpierte Regierungsklasse, die das Volk vergessen hat, sich nicht um die einfachen Amerikaner und die eigene Wirtschaft kümmert, aber das Land für billige Arbeitskräfte (Mexikaner) und billige Waren (chinesische) öffnet.

Trump spielt mit der real existierenden und überall wachsenden Kluft – die sich zunehmend globalisierende Oberschicht, die an internationalen Prozessen teilnimmt, hat andere Sorgen als die meisten Einwohner, die in der Heimat ihr Dasein fristen. Das ist überall zu erkennen, nicht nur in den USA. Europäische Protestparteien sind das Ergebnis derselben Widersprüche. In Europa ist ihr Feind zudem noch institutionalisiert – die Europäische Union, die herzlose übernationale Bürokratie.

Der jüngste Skandal um die Panama-Papers, die in Moskau mit der für uns typischen Verfolgungsangst als antirussische Provokation interpretiert wurden, hat in der Tat ein viel größeres Ausmaß. Man hätte kaum eine bessere Bestätigung dafür finden können, wie die globale Spitze (darunter nicht westliche Länder) in einer globalen Finanzwelt lebt und sich dabei weigert, Steuern in den eigenen Haushalt zu zahlen.

Das Phänomen Donald Trump und Bernie Sanders zeigen, worüber die Gesellschaft tatsächlich besorgt ist und wie stark sich die Menschen von ihrer „Führung“ entfremden. Die Führung versteht das. Obamas Artikel ist ein Beispiel für einen Gegenangriff. Der US-amerikanische Präsident will die Mitbürger und den Kongress überzeugen, dass das oben genannte Problem via Abschluss von neuen großen Abkommen gelöst werden kann, damit andere nicht ihre Handels- und Wirtschaftsdominanz aufdrängen.

Obama wendet sich an das innere Publikum, geht dabei jedoch zu einer eindeutigen antichinesischen Rhetorik über und betont, wer gerade die Zielscheibe ist. Das ist eine ziemlich präzedenzlose Erscheinung. Die liberale Globalisierung war immer dabei stark, in Worten das Nullsummen-Spiel abzulehnen. Ihre Grundlage war die Behauptung, dass die vorgeschlagenen Regeln universell und gerecht und nicht gegen jemandem gerichtet seien – also vorteilhaft für alle.

Der Verzicht auf diesen prinzipiell wichtigen Aspekt führt zu ernsthaften Veränderungen.

Die Vereinigten Staaten als Anführer globaler Prozesse seit Ende der 1980er Jahre geben de facto zu, dass sich ihr Herangehen geändert hat. Statt Steuerung einer einheitlichen globalen Wirtschaft wird Kurs auf Fragmentierung, Schaffung eines amerikazentrischen Kerns genommen.

Deswegen muss eine Wahl getroffen werden – entweder sich in härtere westliche Institutionen einzuordnen (Partnerschaft unter US-Führung), oder nach neuen Wegen zur Gewährleistung des eigenen Wachstums und der Entwicklung unter Bedingungen der zwar gegenseitig abhängigen, allerdings nicht mehr einheitlichen globalen Wirtschaft zu suchen.

In Europa sorgt das für wachsende Schwankungen. In China – für ein schmerzhaftes Begreifen dessen, dass das Entwicklungsmodell, das dem Lande mehr als 30 Jahre Wachstum gegeben hat, in Vergangenheit gerät.

Im Unterschied zu Russland, das gerne übereilt reagiert, insbesondere in Worten, reagiert Peking vorsichtig, um unumkehrbare Schritte zu verhindern. Deswegen war die Reaktion auf die drastischen Worte Obamas eher zurückhaltend.

Das bedeutet allerdings nicht, dass China bereit ist, sich an jede Rolle anzupassen, die von den USA vorgeschlagen wird.

Im Gegenteil: Die Handlungen der letzten Zeit – von der Formulierung des Konzeptes „Ein Weg – ein Gürtel“ und die Unterstützung der Idee der „Allumfassenden Regionalen Wirtschaftspartnerschaft“ bis zum kontinuierlichen Aufbau der militärischen Stärke zeigen, dass Peking nach Wegen sucht, um das US-Modell zu umgehen und fähig zu sein, bei extremer Entwicklung Widerstand zu leisten.

China wollte dies nicht tun. Peking passte die Situation der 1980er bis 2000er Jahre, als das Land ohne große Ambitionen gekonnt Möglichkeiten nutzte, die die liberale Globalisierung auf amerikanische Art bereitstellte. Der Verzicht auf das gewohnte und bequeme System erfolgt jetzt mühsam.

Doch die US-Politik bietet keine Chancen für eine Rückkehr zur Vergangenheit. Im Wahlkampf sind entweder Aufrufe zur Beschränkung des freien Handels (die meisten Republikaner und sogar Clinton äußerten sich gegen TTIP) oder zur alleinigen Umorientierung für die USA zu hören (Obama).

Die Wahl wird natürlich einen Sieger hervorbringen, und der neue Präsident wird wohl eine heiklere Politik gegenüber den äußeren Partnern führen. Allerdings werden die gesellschaftlichen Stimmungen nicht verschwinden und die USA dürften sich mehr in Richtung Protektionismus ändern. Das bedeutet das Ende des Globalisierungsmodells in unserer Epoche und den Beginn von etwas Neuem.

Für Russland und China bedeutet dies, dass die Strategien ihrer Entwicklung nicht mehr auf der Idee der Integration in die „US-Welt“ aufgebaut werden können – dorthin wird man entweder nicht eingeladen oder es werden Bedingungen angeboten, die selbst engste Verbündete Washingtons verwirren.

Weiterlesen: http://de.sputniknews.com/politik/20160505/309659458/ende-weltweite-us-dominanz.html#ixzz47owftF1R

Kraft von 100 Millionen Atombomben: Nordkoreas gefährlichster Vulkan rumort – weltweite Aktivität (Videos)

Nordkorea ist allesandere als bekannt dafür, mit ausländischen Organisationen zusammenzuarbeiten. Passiert das dann doch, wie jetzt im Fall des Paektusan (koreanisch für ‚weißköpfiger Berg‘), dann muss die Lage ernst sein.

Tatsächlich handelt es sich dabei um einen der gefährlichsten Vulkane der Welt, der die nordkoreanische Regierung zur Zusammenarbeit mit einem internationalen Team aus Geophysikern bewogen hat. Diese nahmen die Einladung dankend an (Bild: Kim Jong-Un Atombombentests könnten den Vulkan zum Ausbrechen bringen)

Kein Wunder, muss es doch etwas Besonderes für die Forscher sein, an dem Berg zu arbeiten, der bis heute für seinen „Jahrtausendausbruch“ von 946 n. Chr. bekannt ist. Damals spuckte er Lava und Asche aus und setzte Energien von 100 Millionen „Little Boys“ frei, der Atombombe von Hiroshima.

Damit erreichte der Ausbruch auf dem Vulkanexplosivitätsindex die Stärke 7. Im Vergleich dazu: Die Eruption des Vesuv 79 n. Chr., der Pompeij vernichtete, maß eine Intensität von 5.

Vulkanische Aktivitäten des Paektusan bestätigt

Es ist also verständlich, dass sich Nordkorea Sorgen um den schlafenden Feuermonster macht, der seit 1903 nicht mehr rumort hat. Seit Juni 2002 werden aber immer wieder Zeichen von Aktivitäten erfasst.

Das veranlasste Nordkorea nun zu einer intensiven Erforschung des Berges, wofür man Spezialisten aus China, den USA und Großbritannien heranholte.

Diese suchten nach dem genauen Ort und dem Umfang des Magmaherdes unter dem Feuerberg. Dadurch können sie die Stärke des nächsten Ausbruchs vorhersagen. Wobei als Faustregel gilt: Je größer der Herd ist, desto dramatischer wird die nächste Eruption.

Mit einer großen Anzahl an Apparaten, um seismische Wellen in der Erdkruste aufzuzeichnen, war das Team ausgerüstet und bestätigte mit ihrem Fund die Vorahnungen der koreanischen Regierung: Sie konnten Anomalien in einem großen Teil der Erdkruste ausmachen.

Gewaltiger Magmaherd gefunden

Bilder davon zu machen, ist allerdings unmöglich. Die Forscher untersuchten stattdessen, wie sich die Geschwindigkeit der seismischen Wellen verändert, wenn sie durch die Erdkruste ziehen.

Jene variiert in Abhängigkeit der Dichte des Materials, durch das die Wellen strömen: Durch flüssiges Magma brauchen sie für ihre Bewegungen viel länger als durch Stein. Diese Entdeckung treffe für den Paektusan zu, und zwar in einem gewaltigen Bereich von fünf Kilometern Tiefe und 20 Kilometern Reichweite vom Zentrum des Vulkans aus.

Video:

Die Wissenschaftler bewerten den Fund in einer Studie, die im Fachmagazin „Science Advances“ veröffentlicht wurde, folgendermaßen: „Er legt nahe, dass wir gegebenenfalls die Spitze eines gewaltigen Magmaherdes in der Oberflächenkruste sehen können.

Ein großer Bereich der Kruste wurde durch Magmatismus verändert. Das steht in Verbindung mit vulkanischen Aktivitäten. Eine Gesteinsschmelze könnte jetzt großflächig auftreten.“

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Das tödliche Potenzial des Paektusan

Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass Magma unter einem Vulkan präsent ist, doch zeigt dieser Fund, dass der Paektusan, sollte er ausbrechen, das Potenzial hat, eine gewaltige Menge an Lava herauszuschleudern.

Das könnte sogar früher passieren, als bereits befürchtet. Denn jüngst stellte eine wissenschaftliche Studie einen Zusammenhang zwischen der Wahrscheinlichkeit, dass der Vulkan ausbrechen wird, und den Nuklearwaffentests der Nordkoreaner her (Die wahren Erfinder der Atombombe (Videos) und Nordkorea testet Wasserstoffbombe: Südkorea meldet Erdbeben).


Wenn eine Katastrophe die andere jagt: Erdbeben lassen Vulkane überschwappen

Schon länger wird ein Zusammenhang zwischen Erdbeben und vulkanischer Aktivität vermutet. Wie genau diese Wechselwirkung erklärt werden kann, ist bislang aber unbekannt. Ein Wissenschaftler-Team des GeoForschungsZentrums Potsdam (GFZ) und der Universität Hiroshima in Japan hat nun einen neuen Ansatz gefunden: Dieser geht davon aus, dass Erdbeben eine Art „Schwappen“ im vulkanischen Magmareservoir auslösen können.

Jeder weiß, wie Kaffee in der Tasse schwappt, wenn diese bewegt wird. Ganz ähnlich, so die Forscher um Atsuko Namiki von der Universität Hiroshima, verhält es sich offenbar bei einem Beben mit dem Magma im Vulkan.

Die Wissenschaftler sprechen von „Sloshing“ und meinen damit die Resonanzschwingung einer Flüssigkeit in einem bewegten Behälter. So sind etwa Schäden an Erdöltanks durch „sloshing“ nach schweren Beben ein bekanntes Phänomen.

Bisher nahm man an, dass Vulkan-Aktivitäten nach Erdbeben mit einer Erhöhung des Drucks zu tun haben könnten, die wiederum auf aufsteigende Blasen zurückzuführen wäre. Auch dass sich Kristallnetzwerke in den Magma-Kammern verflüssigen, wird in Erwägung gezogen.

Doch keine der Thesen erklärt, warum Vulkane sehr unterschiedlich auf Erdbeben reagieren. Einige werden aktiviert, bei anderen sinkt die Aktivität, wieder andere zeigen gar keine Reaktion auf das Beben (HAARP-Katastrophen als Väter aller Profite: Stürme und Erdbeben als Waffen (Videos)).

Beim „sloshing“ jedoch wären diese Unterschiede stimmig. Es kommt darauf an, ob das Magma in den offenen Aufstiegskanälen und den Reservoiren von den Erdbebenwellen in Resonanzschwingung versetzt wird oder nicht. Wie Experimente im „Bubble-Labor“ des GFZ zeigen, haben starke ferne Erdbeben den größten Effekt auf Vulkane.

Die niedrigen Frequenzen dieser Beben sind am ehesten in der Lage, eine starke Schwingung in dem in breiten Aufstiegskanälen befindlichen Magma zu erzeugen. Was außerdem die Reaktion des Vulkans beeinflusst, sind die Form des Magmareservoirs sowie Dichte und Viskosität der Lava (Steht ein Mega-Beben bevor? 6+ Beben im Pazifik, Japan und Ecuador – Risiko-Vulkan in Nordkorea – weltweite Aktivität (Videos)).

Weltweite Vulkanaktivität

Klyuchevskoy: der Vulkan in Kamchatka ist derzeit besonders munter und erzeugt neben strombolianischen Eruptionen Aschewolken, die fast drei Kilometer über den Krater aufsteigen. Die thermische Strahlung ist so hoch, dass wahrscheinlich auch wieder Lavaströme unterwegs sind.

Sakurajima: auf der japanischen Insel Kyushu geht es wieder heiß her. Saku eruptierte am 01. Mai 7 Aschewolken. Vulkanasche stieg mehrere Kilometer hoch auf.

Video:

Santiaguito: in Guatemala ist der Domvulkan Santiaguito weiterhin sehr aktiv. Gestern fanden zwei stärkere explosive Eruptionen statt. Vulkanasche erreichte eine Höhe von gut 4500 Meter.

Turrialba: der Vulkan in Costa Rica ist weiterhin aktiv. Vorgestern wurden 32 Explosionen in 10 Stunden registriert. Die Meisten sind relativ schwach, doch manchmal kommt es zu stärkeren Explosionen. Die Vulkanasche steigt dann mehr als 1000 Meter über den Krater auf.

Laut der Internetseite volcanodiscovery.com sind aktuell 34 Vulkane auf der Welt in einer eruptiven Phase, aber keine Panik, die Zahl lag in der Vergangenheit über 40 (z.B. im Mai 2015) oder 50 und die Erde dreht sich dennoch weiter.

Literatur:

Supervulkan von Maria Livingstone

Im Fokus: Naturkatastrophen: Zerstörerische Gewalten und tickende Zeitbomben (Naturwissenschaften im Fokus) (German Edition) von Nadja Podbregar

Unruhige Erde

Vulkane von Marc Szeglat

Quellen: PublicDomain/n24.de/weather.com/vulkane.net am 04.05.2016

Weitere Artikel:

Steht ein Mega-Beben bevor? 6+ Beben im Pazifik, Japan und Ecuador – Risiko-Vulkan in Nordkorea – weltweite Aktivität (Videos)

Belege für gewaltige Vulkanausbrüche am Meeresgrund – weltweite Vulkanaktivität (Videos)

Europas Supervulkan kann ohne Vorwarnung explodieren (Video)

Experten warnen vor drohendem Supervulkanausbruch (Video)

Manöver, Marschbefehle und Kriegsspiele – wie die NATO Russland provoziert

Von Peter Orzechowski in info.kopp-verlag.de

Manöver in Moldawien, in Skandinavien und im Baltikum, Schießübungen an der polnischen Grenze zur russischen Exklave Kaliningrad, Truppenstationierungen in Osteuropa – die NATO fordert Russland heraus. Moskau will »Gegenmaßnahmen ergreifen«.

Für 2016 ist eine weitere Truppenübung in Moldawien geplant: Das »Dragon Pioneer«-Manöver 2016 soll von den Truppen des Landes zusammen mit dem US-Militär abgehalten werden, so Alla Diakonu, die offizielle Sprecherin des Verteidigungsministeriums in Moldawien.

 

Ziel des taktischen Manövers sei die Bildung von gemeinsamen Pioniereinheiten und die Förderung der Zusammenarbeit beider Armeen, so das moldawische Verteidigungsministerium laut Russia Today.Etwa 58 Einheiten der US-Armeetechnik sowie 40 Pioniergeräte und Versorgungswagen der moldawischen Streitkräfte sollen teilnehmen. Die Kolonnenfahrt der Schützenpanzer und anderer Wagen soll von Rumänien aus gestartet werden.

»An dem Manöver nehmen 198 Militärangehörige des 2. US-Kavallerieregiments, einer Einheit der 7. US-Armee USAREUR mit dem Hauptquartier im bayerischen Vilseck sowie 165 Militärs des Pionierbataillons, des 22. Friedenstifterbataillons und der 1., 2. und 3. Brigaden der moldawischen Streitkräfte teil«, sagte Diakonu. In Vilseck in der Oberpfalz ist eine komplette Brigade der US Army stationiert, das 2. US-Kavallerieregiment. Vilseck gehört zum Truppenübungsplatz Grafenwöhr, der eine Größe von 234 Quadratkilometern hat und aus zwei großen Lagern besteht: dem Ostlager in Grafenwöhr (Tower Barracks) sowie dem Südlager in Vilseck, das auch als »Rose Barracks« bezeichnet wird. Der Truppenübungsplatz wird vornehmlich für Schießübungen mit allen Waffensystemen der US-Streitkräfte genutzt.

Bereits vom 3. bis 19. März 2016 hatte in Moldawien die Militärübung »Agile Hunter 2016« stattgefunden. Daran waren, laut Russia Today, bis zu 130 Einheiten beteiligt. Die etwa 3,5 Millionen Einwohner zählende Republik Moldawien – oder auch »Moldau« genannt – liegt als Binnenstaat zwischen der Ukraine und Rumänien. Sie ist geopolitisch betrachtet der Durchgangsweg zwischen dem Ausläufer der Karpaten und dem Schwarzen Meer. Georgien, die Ukraine, Aserbaidschan und Moldawien haben sich am 10. Oktober 1997 zu einerSicherheitsallianz zusammengeschlossen, die ihren Namen aus den Anfangsbuchstaben der vier Staaten ableitet: »GUAM«. Langfristig streben die vier Staaten in die NATO.

Mehrere NATO- und US-Manöver hatten in den letzten Jahren in Skandinavien und auf dem Baltikum stattgefunden. Von russischer Seite werden diese offenbar als Drohgebärden wahrgenommen. Auch ein Beitritt Schwedens und Finnlands zur NATO steht im Raum – sehr zum Missfallen Moskaus. Aktuell Ärger gibt es wegen Schießübungen amerikanischer Jagdflugzeuge auf polnischem Territorium. Von den USA nach Polen entsandte A-10 Thunderbold II führen Übungen in der Nähe der russischen Grenze durch. Außerdem werden noch 10 000 NATO-Soldaten für dieses Jahr in Polen erwartet.

Eine weitere Provokation kommt – wie so oft – vom NATO-Generalsekretär. In einem Interview mit der Zeitung Die Weltsagte Jens Stoltenberg, die NATO müsse mit »Stärke und glaubwürdiger Abschreckung« auf Russland reagieren. »Wir werden darum die NATO-Präsenz im östlichen Bündnisgebiet erhöhen.

Die NATO-Militärführung hat jetzt empfohlen, in die drei baltischen Staaten und nach Polen jeweils ein Bataillon zu entsenden, das rotiert. Es handelt sich dabei um multinationale Truppen, um klar zu machen, dass ein Angriff gegen einen Verbündeten ein Angriff auf die gesamte NATO ist«, sagte Stoltenberg weiter.

Die Pläne für eine solche »vorgelagerte Präsenz« würden jetzt auf politischer Ebene beraten und dann bis zum NATO-Gipfeltreffen im Juli in Warschau entschieden. Die Bataillone sollen nach den Plänen der NATO permanent präsent sein, allerdings sollen die multinationalen Truppen rotieren, also immer wieder mit anderen Soldaten besetzt werden.

Laut NATO-Chef stehen die Pläne in Einklang mit den Grundsatzvereinbarungen über eine Zusammenarbeit zwischen der Allianz und Russland. »Die Pläne der Allianz verstoßen eindeutig nicht gegen die NATO-Russland-Grundakte. Was wir jetzt im Baltikum und in Polen machen, ist ja keine Verstärkung um substanzielle Kampftruppen«, sagte Stoltenberg. Nur das wäre eine Verletzung der Grundakte.

Auch schon im Sommer 2015 wurde kräftig mit dem Säbel gerasselt: US-Atombomber flogen Einsätze an der russischen Grenze. Die B-52 von der Minot Air Force Base in North Dakota – »Big Ugly Fat Fucker« genannt und mit 20 Marschflugkörpern der atomaren Art bestückt – nahmen an einer der Übungen der NATO unweit der russischen Grenze teil. Das Pentagon verlegte Panzer nach Osteuropa und begann, schweres Kriegsgerät für bis zu 5000 Soldaten in mehreren osteuropäischen und baltischen Ländern einzulagern. Dazu zählen Kampfpanzer und Infanterie-Kampffahrzeuge, berichtete damals die New York Times (NYT) unter Berufung auf US-Beamte und NATO-Vertreter.

Bis Ende 2015 verlegten die USA eine militärische Brigade mit rund 1000 Kampfpanzern, Schützenpanzern, anderen Kampffahrzeugen, Artilleriesystemen und 5000 Mann nach Mittel- und Osteuropa. Bei den Kampffahrzeugen soll es sich vor allem um Kampfpanzer des Typs M1A2 Abrams und Schützenpanzer des Typs M2 Bradley handeln. Zu den Artilleriesystemen, die vor allem bei der Bekämpfung von Bodentruppen eingesetzt werden, gibt es keine genaueren Angaben.

Moskau spricht von Provokation

Wiederholt haben in den letzten Tagen der russische Präsident Putin, Außenminister Lawrow und Verteidigungsminister Schoigu von einer Provokation gegenüber Russland gesprochen. Schon vor zwei Jahren, am 23. Mai 2014, hat Generalstabschef Waleri Gerassimow angekündigt, Russland werde Gegenmaßnahmen gegen die Verstärkung der NATO-Streitkräfte in der Nähe der russischen Grenzen ergreifen. Wie die Nachrichtenagentur RIA Novosti damals meldete, habe Russlands oberster General eine »Zuspitzung der militärpolitischen Situation in Europa« festgestellt. Einzelne westliche Staaten hätten die antirussische militärische Rhetorik verhärtet.

»Aufgestockt werden die Gruppierungen der vereinten NATO-Streitkräfte auf dem Baltikum, in Polen und Rumänien sowie die militärische Präsenz des Blocks in der Ostsee, im Schwarzen Meer und im Mittelmeer. Die operative und Gefechtsausbildung der Allianz-Truppen in der Nähe derrussischen Grenzen wird immer intensiver. Unter diesen Bedingungen können wir nicht gleichgültig bleiben. Wir müssen Gegenmaßnahmen ergreifen«, sagte Gerassimow bei einer internationalen Sicherheitskonferenz in Moskau.

Der russische Verteidigungsminister Sergei Schoigu spricht laut RIA Novosti von beispiellosen zunehmenden Aktivitäten der Streitkräfte der USA und der NATO in Osteuropa vor der russischen Grenze.

Ein erschreckendes Kriegsszenario

Eine ungewöhnliche Experten-Simulation hat das US-Onlinemedium Vox Ende Juni 2015 erstellt: Ein mögliches Kriegsszenario zwischen Russland und der NATO. Ausgangspunkt der Simulation waren Proteste in der estnischen Grenzstadt Narva, deren Einwohner zu einem hohen Prozentsatz Russen sind. Als Begründung dafür schrieb Vox: Wenn westliche Politologen und Beobachter die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen den USA und Russland besprechen, gehe es meistens um das Baltikum. Vox verweist auch auf Stephen Saideman von der Carleton University (Kanada), der der Ansicht ist, dass der Mittelpunkt fast jeder potenziellen Weltkrise ein kleines Land sein würde. Die Politologen Graham Allison und Dmitri Simes bezeichneten in einem Essay für die Zeitschrift The National Interest das Baltikum als die Achillesferse der NATO.

Dass die Wahl der Experten auf Estland fiel, hängt damit zusammen, dass ein Viertel der Einwohner dieses Landes ethnische Russen sind. Es ist auch deswegen erste Expertenwahl, weil Estland im Unterschied zur Ukraine NATO-Mitglied ist. Ein russischer Angriff würde nach Artikel 5 des NATO-Statuts die USA und die meisten europäischen Länder dazu zwingen, Moskau den Krieg zu erklären.

In dem Vox-Bericht heißt es, dass im Baltikum noch nie dagewesene militärische Aktivitäten seit der Zeit des Kalten Krieges zu beobachten sind. »Das ist ein klassisches Beispiel dafür, was Politologen ein Sicherheitsdilemma nennen – jede Seite betrachtet ihr Vorgehen als Verteidigungsmaßnahme. Die Aktivitäten des Gegners werden als Offensivmaßnahmen gedeutet. Beide Seiten antworten auf angebliche Provokationen mit einer größeren Eskalation«, wird erklärt. Damit entsteht ein Konfliktsystem, in dem mit einer hohen Wahrscheinlichkeit ein Krieg entstehen kann, wie das beim Ersten Weltkrieg der Fall war.

Das Szenario beginnt – wie eingangs erwähnt – mit Protesten der russischen Bevölkerung in der estnischen Grenzstadt Narva. Der erste Zug wird von der NATO gemacht, die Allianz hat zwei Varianten – ein diplomatischer Aufruf zur Ruhe oder die sofortige Entsendung eines Militärkontingents wegen der Befürchtungen eines »russischen Eingriffs«. Dann hängt alles von den Handlungen Moskaus ab – falls Russland Truppen losschickt, ist sowohl ein zufälliger als auch ein beabsichtigter Zusammenstoß der beiden Armeen nicht ausgeschlossen.

In diesem Fall beginnt ein offener Krieg zwischen Russland und der NATO in Estland.

Falls der Konflikt in Narva auf Eis gelegt wird und das Konfliktgebiet zu einer umstrittenen Provinz mit engen Verbindungen zu Russland wird, wird die Unfähigkeit der NATO, den Prinzipien der kollektiven Verteidigung zu entsprechen, offensichtlich. Russland würde durch ein solches Szenario an Einfluss in Osteuropa gewinnen.

Falls es zu einem direkten Atomkrieg käme, gäbe es vier Szenarios. Jedes von ihnen führte zum Tod von Millionen Menschen und dem Sieg einer Seite. Dem schlimmsten Szenario zufolge wird nach einer Konfrontation zwischen Russland und der NATO »der nukleare Winter« beginnen.

 

Deutsche Medien im Dienste der Propaganda-Krieger des Pentagons

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