Heim ins Kaiserreich zum 4 Prozent Spitzensteuersatz

Quelle: opposition24.com

Unersättlich waren sie die Monarchen – so will es die Legende – doch wie bekam der Kaiser nur den Hals voll bei einem Spitzensteuersatz von vier Prozent?

Kaiser Wilhelm photo

Photo by The Library of Congress

Dem gierigen Monarchen gelüstete es Ende des 19. Jahrhunderts nach mehr Einnahmen und so wurde der Frankfurter Oberbürgermeister Johannes Miquel nach Berlin geholt und zum Finanzminister ernannt. Heute noch erinnert in Frankfurt die Miquelallee an den Ehrenbürger, der für seine Verdienste geadelt wurde und den Namenszusatz „von“ tragen durfte.

Johannes Miquel photo

Photo by Internet Archive Book Images

Nach der Miquelschen Steuerreform von 1891 änderte sich so einiges im Deutschen Reich. Miquel ersetzte die damals übliche Willkür bei der Steuerschätzung durch eine alljährlich abzugebende Steuererklärung und schaffte auch mit der Einteilung in Steuerklassen mehr Steuergerechtigkeit.

Die heute von vielen als ungerecht empfundene geht auch auf ihn zurück. Aber sie erstreckte sich von einem Eingangssteuersatz in Höhe von 0,62 Prozent für Jahreseinkommen von 900 bis 1.050 Mark und bis zu sage und schreibe vier Prozent für Einkommen über10.000 Mark.

Wie konnte das Kaiserreich mit diesen mageren Einkünften nur überleben? Hätte der Staat nicht zusammenbrechen müssen?

Der Staat wäre wohl augenblicklich ins Wanken geraten, wenn die Steuerreform mit den heutigen Spitzensätzen daher gekommen wäre und der Kaiser noch am selben Tag auf der Guillotine gelandet.

Der Staat hat genau deshalb hervorragend überlebt, weil er den Bürgern ihre Einkommen gelassen hat.

Der Kaiser war reich genug mit all seinem Landbesitz, er musste nicht hungern, aber klug wirtschaften. Zudem gab es natürlich weitere Steuerquellen zur Finanzierung des Staatsapparates, doch die heutigen Verhältnisse, in denen der Normalbürger über 50 Prozent seines Einkommens an den Staat abtritt, wenn man versteckte Steuern hinzurechnet, noch einiges mehr, wurden bei weitem nicht erreicht.

Erst in Kriegszeiten, die kostenintensiv waren, wurden seit jeher die Steuerschrauben angezogen. Der Sündenfall in dieser Hinsicht war der Erste Weltkrieg. Die unglaubliche Materialschlacht wurde durch Anleihen finanziert, dem Volk nach Kriegsgewinn, eine satte Rendite versprochen.

Aber die Rechnung ging nicht auf – 1916 begann die Vereinheitlichung der Stempel auf Warenlieferungen, woraus später die heutige Umsatzsteuer wurde – die bedeutendste Einnahmequelle des Staates. Wer sich im Kaufmännischen auskennt, weiß, dass die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten ist und Unternehmen faktisch gar keine Steuern leisten, da sie grundsätzlich in die Preise einkalkuliert werden. Es zahlt diesen Batzen stets der kleinste Fisch in der Nahrungskette – der Verbraucher, wie man den Bürger heute gemeinhin wenig wertschätzend nennt.

Ein Staat, der seinen Bürgern das Einkommen raubt und sich aufbläht wie ein Wasserkopf, gerät früher oder später aus der Balance und verliert den Boden unter den Füßen. Im Kaiserreich hat man zunächst gewusst, vielleicht nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern aus reiner Vernunft, wie weit man dem Volk in die Tasche greifen kann, ohne die Wirtschaft unnötig zu belasten und soziale Schieflagen zu befördern, die unweigerlich zu Aufruhr geführt hätten.

Die Schuld am Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird heute von Historikern nicht mehr alleine dem deutschen Kaiser zugeschoben, doch der Blick auf diese Epoche ist nach wie vor ideologisch verblendet. Betrachtet man den Volksverhetzungs – Paragraphen 132 StGB in seiner heutigen Fassung und vergleicht ihn mit der ursprünglichen Formulierung, dann wird einem klar, dass auch in dieser Hinsicht, das Kaiserreich die Freiheit des Einzelnen in wesentlich höherem Maß geschätzt hat, als das heutige Regime. (s. a. Was die Freiheit angeht, ist das Kaiserreich und nicht die Bundesrepublik der Maßstab)

Mit der Einführung der Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer) nach Kriegsende 1918 begann der Siegeszug des Sozialismus. Immer wieder wurden dem Volk angeblich zur Abwendung sozialer Notlagen diese Umverteilungsmechanismen als notwendig und quasi Gott gegeben verkauft.

1968 lag die Mehrwertsteuer in der EG noch bei 10 Prozent, Politiker haben seither immer wieder gelogen, dass niemand die Absicht habe, die Steuern zu erhöhen, heute ist fast der doppelte Satz fällig. Doch niemand stellt ernsthaft die grundsätzliche Frage, ob ein Staat überhaupt Steuern kassieren darf – eine Ausnahme hierbei bildet die „Haushaltsabgabe“ zur Finanzierung des Staatsfunks.

Mit all den ansteigenden verdeckten Steuern, hat sich das Verhältnis zwischen Steuerlast und Einkommen gegenüber der „guten alten Zeit“ nahezu auf den Kopf gestellt. Bald sind es nicht mal mehr 0,62 Prozent, die der Bürger von seinem erwirtschafteten Einkommen tatsächlich noch übrig hat. Manchmal stimmt es halt doch, dass früher so Einiges besser war.