Darum findet der Weltuntergang immer im Westen und nicht im Osten statt (Video)

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Einschläge von Asteroiden, Erlöschen der Sonne, Klimaschock. Das Ende der Welt fasziniert Wissenschaftler wie Normalbürger. Ein Historiker erklärt, warum das apokalyptische Denken tief in der westlichen Gesellschaft verankert ist.
„Tag der Rache, Tag der Sünden / Wird das Weltall sich entzünden.“ So klingt es drohend im Requiem von Giuseppe Verdi.
Die Apokalypse, der Antichrist, das Endgericht, ein neuer Himmel und eine neue Erde: Sie werden in der Bibel vorausgesagt und genauestens beschrieben. Und sie haben sich nach Darstellung des emeritierten Frankfurter Mittelalterhistorikers tief in die Kultur des Westens eingebrannt.

Apokalypse ist im Osten eher unbekannt

„Das Christentum ist die einzige Weltreligion, die den endgültigen Untergang der Welt kennt“, schreibt Fried in seinem neuen Buch „Dies irae. Eine Geschichte des Weltuntergangs„.

Jüdische Vorstellungen gehen lediglich von einem göttlichen Gerichtstag aus, an dem ein Schmelzofen eine Rolle spielt. Der Islam, von Judentum und Christentum beeinflusst, kennt Weltuntergangsideen zwar, misst ihnen aber keine herausragende Bedeutung bei. In Buddhismus oder Hinduismus spielen sie keine Rolle.

„Sacco di Roma“, Tambora, 9/11, Tsunami – die Weltgeschichte ist voller Ereignisse, in deren Zusammenhang immer aufs Neue vom drohenden Weltuntergang gesprochen wurde. Endzeitängste sind jedoch ein besonderes Phänomen der abendländischen, christlichen Kultur. Mit diesem Buch liegt erstmals eine umfassende Ideengeschichte der Apokalypse vor.

Von den biblischen Propheten bis zu den heutigen Tageszeitungen ist die christliche Kultur geprägt vom Glauben an ein unerbittliches Ende. Johannes Fried spannt den Bogen seiner Erzählung von der vorchristlichen Antike über das Zeitalter der Aufklärung bis hin zur jüngsten Gegenwart.

Sowohl Geistesgeschichte wie auch Populärkultur und Wissenschaft bieten eine unerschöpfliche Vielfalt an faszinierenden Beispielen. Es stellt sich heraus, dass sich die Endzeitvisionen nicht mit fortschreitenden wissenschaftlichen Erkenntnissen verflüchtigen – vielmehr sind sie tief verwurzelt in unserem unbewussten Weltbild und bis heute aktuell.

„Denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde“

Christen leben seit 2000 Jahren mit der Botschaft, dass das große Finale jederzeit kommen kann. „Denn ihr wisset weder den Tag noch die Stunde“, heißt es im Neuen Testament (War Jesus Caesar? 2000 Jahre Anbetung einer Kopie (Videos)).

Jesus selbst kündigt das Kommen des Menschensohnes an. „Denn es wird dann eine große Bedrängnis sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird“, heißt es im Matthäus-Evangelium.

Endzeitfurcht und Erlösungssehnsucht

Fried weist darauf hin, dass die Tempelzerstörung durch die Römer im Jahr 70 nach Christus die Vorstellungen von einem umfassenden Weltgericht radikalisierten.

Endzeitfurcht und Erlösungssehnsucht: Die Faszination am Weltuntergang blieb über die Jahrhunderte groß. Die frühen Christen erwarteten, dass die Erde noch zu ihren Lebzeiten in Blut und Feuer untergehen werde.

Schreckensszenarien machten Menschen gefügig

Künstler wie Hieronymus Bosch bannten die schrecklichen Vorstellungen in den brutalsten Einzelheiten und den prächtigsten Farben auf die Leinwand. Die westlichen Fassaden vieler Kirchen zeigen das Jüngste Gericht mit drastischen Höllenszenen.

Fried schildert, wie der Glaube an das unerbittliche Ende Heulen und Zähneknirschen hervorrief – und wie die Schreckensszenarien immer wieder dafür missbraucht wurden, um Menschen gefügig zu machen.

Der Weltuntergang wird immer wieder verschoben

Andererseits schuf die Prophezeiung der Apokalypse großen Glaubenseifer und eine grandiose Ethik. Die Vorstellung vom Jüngsten Gericht forderte die Menschen auf, ein gutes Leben zu führen und Gerechtigkeit zu üben (Shiva Linga im Himalaya kündigt den Weltuntergang an).

Gerade weil sich der Weltuntergang immer weiter verzögerte, spekulierten Kirchenväter, Mönche und Historiker darüber, wie er vorauszusehen oder vorauszuberechnen sei. Die Natur musste beobachtet werden, um einen Fingerzeig Gottes zu erhaschen. Kometen, Überschwemmungen oder Vulkanausbrüche wurden gedeutet. Karl der Große (zirka 747-814) beauftragte seine Gelehrten, das Alter der Erde genau zu berechnen.

Naturwissenschaft entzauberte die Religion

Die moderne Naturwissenschaft entstand aus dem Geist der Apokalypse, schreibt Fried. Später entzauberte die Naturwissenschaft die Religion, so der Historiker. Und er weist nach, dass die Endzeitängste auch im Zeitalter der Säkularisierung und fortschreitender naturwissenschaftlicher Erkenntnisse nicht verschwunden sind.

Die Menschen geben Milliarden aus, um zu erfahren, wie die Welt eines Tages enden wird. Einschläge von Asteroiden, Kollision mit anderen Galaxien oder der Ausbruch eines Riesenvulkans: Kurz vor der Jahrtausendwende fanden die Weissagungen des Nostradamus selbst unter aufgeklärten Zeitgenossen Gehör.

Hollywood und Weltuntergang

Regisseure wie Roland Emmerich sind Spezialisten, wenn es um den Untergang geht: In „The Day After Tomorrow“ sorgt der Klimawandel für eine Blitz-Eiszeit, durch die die USA in der Apokalypse versinken.

Und in „2012“ bedrohen gewaltige Sonneneruptionen den Planeten. Für Fried ist es kein Zufall, dass diese Filme in den USA zum Kassenschlager werden, wo christlich-fundamentalistische Kreise weit verbreitet sind.

Dichter wie Jakob von Hoddis haben das Endzeitgefühl eher sarkastisch thematisiert: „Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei / Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut“, heißt es in seinem Gedicht „Weltende“. Es entstand 1911, als der Halleysche Komet apokalyptische Ängste weckte (Weltuntergang naht: 13 Zeichen für das Ende).

Video: „Dies Irae“ – Schon immer haben sich die Menschen mit dem drohenden Weltuntergang beschäftigt. Der Heidelberger Historiker Johannes Fried hat ein umfassendes Buch darüber geschrieben.

Literatur:

Überleben in Krisen- und Katastrophenfällen: Ein Handbuch für jedermann. Das Survival-Wissen der Spezialeinheiten von Lars Konarek

Himmelszeichen von Peter Orzechowski

Das grosse Buch der Überlebenstechniken von Gerhard Buzek

Apokalypse jetzt!: Wie ich mich auf eine neue Gesellschaft vorbereite. Ein Selbstversuch vonGreta Taubert

Quellen: PublicDomain/weather.com/SWR am 17.03.2016

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