Digitaler Milliarden-Klau: Asiatische Hacker räumen Zentralbankkonto bei der US-Notenbank ab

Markus Gärtner info.kopp-verlag.de

Es ist die größte bekannte digitale Räuberpistole der Geschichte. Hacker, vermutlich chinesischer Herkunft mit Sitz in den Philippinen, penetrierten am 5. Februar den elektronischen Schutzwall der US-Notenbank in New York und stahlen bei verschiedenen Einsätzen von einem Konto der Zentralbank von Bangladesch 81 Millionen Dollar.

Vier der getürkten Transfers für insgesamt 81 Millionen gingen in Richtung Philippinen und Sri Lanka reibungslos durch. Ein weiterer für 20 Millionen scheiterte, weil die Hacker den Namen einer NGO – der Shalika-Stiftung –, die das Geld angeblich erhalten sollte, falsch buchstabierten.

Weitere Transfers im Umfang von 870 Millionen Dollar wurden schließlich aufgehalten, als die US-Notenbank den Schwindel mit den unautorisierten Überweisungen endlich bemerkte.

Die Attacke zielte direkt auf die Herzkammer der westlichen Welt. Bei der Fed in New York parken 250 Zentralbanken, Regierungen und große institutionelle Investoren immense Geldsummen. Es ist der größte »Tresor«, der sich auf diesem Planeten auftreiben lässt.

Das Geld wurde in mehreren Tranchen unter Verwendung des Geldtransfernetzwerks SWIFT in die Philippinen dirigiert. Dort wurde es auf dem Schwarzmarkt umgetauscht, in Kasinos gewaschen und binnen Tagen wieder ins Ausland überwiesen, um die Spuren zu verwischen.

Die Fed genehmigte die ersten Transfers vom New Yorker Konto, ohne dass irgendjemand Alarm schlug oder Verdacht schöpfte. Der Finanzminister von Bangladesch soll von dem riesigen digitalen Beutezug erst aus der Zeitung erfahren haben. Die führende Notenbank der Welt, die Fed, steht bisauf die Knochen blamiert da.

An der Wall Street herrscht seit Tagen Schnappatmung, weil der Beutezug direkt ins Epizentrum der westlichen Finanzwelt zielte und zunächst niemand etwas davon mitbekam. Die Fed wachte erst auf, als die 81 Millionen fehlten. Und eine Zeitung in den Philippinen, der Inquirer, deckte den Fall auf, weil das zirkulierende Geld den Schwarzmarkt des südostasiatischen Insellandes erheblich auf Hochtouren brachte.

Bei den Hackeraufträgen, die SWIFT Überweisungen für asiatische Infrastrukturprojekte vorgaukelten, wurde das komplette System überlistet, durch das täglich Milliarden und Abermilliarden von Dollars fließen.

Inzwischen wurde der größte Teil des Geldes sichergestellt. Bangladesch ist ein lohnendes Ziel, weil das Land sich derzeit – für seine Verhältnisse – enormer Devisenzuflüsse erfreut. Der Exportboom, der auf miserablen Löhnen und Arbeitsverhältnissen basiert, bringt Milliarden von Dollars ein. Und Bangladeschis, die sich in ganz Asien als Wanderarbeiter verdingen, überweisen regelmäßig viel Geld in die Heimat an ihre Familien.