Al-Gaddafis Vetter im Interview mit RT: „Die NATO hat unser Land zerstört und radikalisiert“

Al-Gaddafis Vetter im Interview mit RT: „Die NATO hat unser Land zerstört und radikalisiert"

Fünf Jahre nach der „demokratischen Revolution“ 2011, dank der die libysche Opposition mit Hilfe von US- und NATO-Streitkräften an die Macht gekommen war, verwandelte sich Libyen aus einem florierenden afrikanischen Land in eine Brutstätte des Terrorismus. Der Vetter des ermordeten libyschen Oberhauptes Muammar al-Gaddafi, Ahmed Gaddafi al-Dam, erzählte RT, was sein Land jetzt darstellt, und wer hinter diesem „Wandel“ steckt.

„An jenem Tag hat sich Libyen aus einem stabilen und sicheren Staat in einen zerstörten verwandelt, und seine Bevölkerung musste ihre Häuser verlassen. Die Gefängnisse sind mit Zehntausenden von Häftlingen – Männern und Frauen – überfüllt. Libyen ist ein Land, das einst die Vorhut des ganzen Kontinentes gebildet und weltweit großes Ansehen genossen hat und nun ein demütiger Vasallenstaat ist. Nun wird sein Schicksal von anderen Ländern bestimmt. Wir erblicken diesen Tag nach so viel Leid, Tränen, Opfern sowie materiellen und menschlichen Verlusten. Das, was wir heute, nach diesen fünf schwierigen Jahren sehen, ist ein Ergebnis der Handlungen der NATO, die gekommen ist, um unser Land zu zerstören. Danach sind sie einfach abgezogen, beobachten uns nun aus der Ferne und bestimmen das Schicksal unseres Landes, indem sie die Regierung ernennen.“

So schildert al-Dam gegenüber RT die aktuelle Situation seiner Heimat.

Wie der Cousin des ermordeten Revolutionsführers der Dschamahirija betont, habe der Sieg der „demokratischen“ Kräfte dem Land keine ersehnten und von den Ideologen jenes Krieges verheißenen Bürger- und Menschenrechte gebracht. Im Gegenteil: Die Revolte habe das Volk entmachtet. Wäre al-Gaddafi an der Macht geblieben, gäbe es heute die zahllosen Opfer, Flüchtlinge und Islamisten auf dem Territorium Libyens nicht, meint Ahmed Gaddafi al-Dam und betont:

„Al-Gaddafi besaß keine Macht. Libyen stützte sich auf die Macht des Volkes, auf die Herrschaft der Massen, die Macht der Volkskongresse und -komitees: Ein Parlament gab es in jedem Bezirk, in jeder Straße, in jedem Dorf. Al-Gaddafi war der Führer der Revolution. Wäre da nicht die Invasion der NATO-Truppen gewesen, die nur mit einem Ziel gekommen sind (und zwar al-Gaddafi zu töten), wären wir nicht in der heutigen Situation. Das Revolutionsregime, das sich auf die Volkskongresse und die Herrschaft des Volkes stützte, wäre nicht gestürzt. Das Land wurde von keinem Tyrannen regiert: Es gab keine einzige Situation, die die Volksmassen, die das Land regierten sowie Macht, Reichtum und Waffen hatten, nicht hätten ändern können.“

Die Ereignisse in Libyen, wie auch im Irak, hätten dem Chaos und Extremismus Tür und Tor geöffnet, stellt der Vetter von Muammar al-Gaddafi weiter fest und erläutert mit vor Empörung bebender Stimme:

„Leider erinnert uns das an den Plan, und zwar den Islam zu zerschmettern, den der Westen in die Tat umzusetzen begann, nachdem er den Kommunismus nach dem Zweiten Weltkrieg zerschmettert hatte. Sie wollten aus dem Sieg im Zweiten Weltkrieg Kapital schlagen. Sie dachten, dass von dem Kommunismus eine Gefahr ausgehe. Sie zerschmetterten ihn. Danach beschlossen sie, dass die Gefahr von dem Islam ausgehe. Sie begannen gegen den Islam in Afghanistan, im Irak, in Syrien, Libyen, im Jemen und so weiter bis nach Bosnien, Albanien und Nigeria zu kämpfen. Wo sind nun die „Freunde Libyens“? Wo ist Demokratie? Wo sind die Menschenrechte? Wo sind die Träume, für die unsere jungen Männer gestorben sind, als sie auf die „Freunde Libyens“ hörten? Wir hatten Kopfschmerzen von den Satellitensendern, die uns Demokratie predigten. Wo sind sie jetzt? Wohin sind sie verschwunden? Dabei wird Libyen jeden Tag getötet.“

Vor fünf Jahren sei al-Gaddafi als Märtyrer gestorben, sagt der Cousin des Ex-Staatschefs. Die NATO habe mit den vier stärksten Flotten der Welt auf Libyen eine Bombenlawine abgeworfen. Man habe die schrecklichsten Zerstörungsmittel eingesetzt, bemerkt al-Dam. „Libyen hat sich zu einer Metropole der Räuberei, des Diebstahls, der internationalen Mafia und des Extremismus entwickelt“, so al-Dam.

DasWortderUNO

Ahmed Gaddafi al-Dam ruft die internationale Gemeinschaft im Allgemeinen und die UNO im Einzelnen auf, eine objektive Untersuchung der Ereignisse von 2011 durchzuführen, weil die Kampfhandlungen im Land mit offenbaren Verstößen gegen zahlreiche Resolutionen geführt worden seien, während die geschaffene „Flugverbotszone“ ein Deckmantel für die Einschleusung von Islamisten ins Land gewesen sei:

„Wenn die Flugverbotszone in der Tat zum Schutz der Libyer eingerichtet worden wäre, wären sie auch jetzt in Obhut. Stattdessen werden wir bis heute von Banden und Marionetten getötet, die der Westen eingeführt hat, um über Libyen zu herrschen. Terroristen wurden nach Libyen mit Flugzeugen vor den Augen des Westens befördert, der ihnen den Schutz aus der Luft gewährte. Der Westen schützte mit seinen Raketen und Kampfschiffen diese Verbrecher, als sie nach Libyen im Jahre 2011 kamen, wobei sie sich hinter dem Islam versteckten. Wir fordern von dem UN-Sicherheitsrat eine Untersuchung der Ereignisse in Libyen im Jahr 2011. Was ist damals passiert? Warum wurden die in den UN-Resolutionen festgelegten Befugnisse überschritten? Was hat die Arabische Liga getan? Warum hat sie keine Delegation nach Libyen geschickt, die die Ereignisse objektiv ermittelt hätte? Warum wurde nach Libyen keine UN-Delegation zu einer objektiven Untersuchung entsandt? Warum wurde das alles nicht getan? Warum wurden unsere Streitkräfte vernichtet? Warum hat man uns in diesen Zustand gebracht? Warum wiederholt sich dasselbe, was schon einmal im Irak passiert ist?“

Wie der Ex-General der libyschen Armee bemerkt, hätten die Islamisten, die nun in Libyen, Syrien und im Irak am Werk sind, mit dem Islam nichts zu tun. Die Grundsätze ihrer „Religion“ seien vom Westen erarbeitet worden. Al-Dam schlussfolgert:

„Dieses Virus, das in die arabischen Länder zugeführt worden ist und unsere Jugend ergriffen hat, wurde im Westen geschaffen. Diese Gruppierungen haben durch ihre Handlungen den Islam verhunzt. Sie haben den Islam in der Tat zerstört. Der Islam ist eine Religion des Friedens, der Gerechtigkeit und der Freiheit. Der Islam verbietet, Menschen zu töten. Der wahre Islam ruft kein Entsetzen hervor, wie das einige darzustellen versuchen. Die unmittelbare Verantwortung dafür, was in unserem Land passiert ist und noch anhält, lastet auf dem UN-Sicherheitsrat, den westlichen Ländern und der NATO.“

„Al-Gaddafi hat den Libyern versprochen, seiner Pflicht nachzugehen und das Land nicht zu verlassen. Al-Gaddafi stand an der Spitze des strategischen Wandels in Afrika, indem er seine Integration anstrebte. Wir bauten an der Großen Afrikanischen Union und einer einheitlichen afrikanischen Regierung, was die Interessen des Westens, der westlichen Unternehmen und ihre Hegemonie auf dem Kontinent bedrohte. Muammar al-Gaddafi lebt im Herzen von Millionen von Menschen – Moslems, Arabern, Afrikanern – fort. Er ist ein Symbol der Größe und Würde weltweit. Wir sind stolz auf seinen Ruhm und werden es von Generation zu Generation sein“, bemerkt al-Dam abschließend.

Libyenheute

Der Führer der Dschamahirija regierte das Land von 1969 bis 2011. Fünf Jahre nach seinem Sturz bleibt die Situation in Libyen instabil. Auch nach dem Tod al-Gaddafis sind Einheiten der ehemaligen „Landwehrleute“ und mit ihnen alliierte radikale Milizen nach wie vor am Werk. Sie ordnen sich der zentralen Macht nicht unter und stellen eigene Gesetze in den von ihnen kontrollierten Ortschaften auf. Die Behörden sind außer Stande, im Land Ordnung zu schaffen.

Es kam sogar zu Attacken gegen ausländische Diplomaten. Der ernsthafteste Vorfall ereignete sich am 11. September 2012, als bei einem Angriff auf die US-Vertretung in Bengasi der US-Botschafter in Libyen, Christopher Stevens, und drei weitere US-Bürger ums Leben kamen.

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