Schattenseite der Tulpen: Monokulturen, Ausbeutung und Pestizide

Quelle: netzfrauen.org

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Wenn Blumen sprechen könnten, dann würden sie von miserablen Arbeitsbedingungen, Hungerlöhnen, Gesundheitsrisiken und ökologischem Desaster in der Blumenindustrie Afrikas und Lateinamerikas berichten.

Schön anzusehen, aber häufig mit Gift hochgepäppelt. Der Winter ist noch gar nicht ganz passé, da leuchten sie wieder in den Discountern, die Tulpen.

In unseren Discountern und Supermärkten, aber auch in Baumärkten werden zu jeder Jahreszeit Schnittblumen und Topfpflanzen angeboten. Aldi ist sogar der größte deutsche Blumen-Verkäufer.

Den Anteil der Discounter, Supermärkte und Baumärkte an dem Geschäft ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Deren Anteil liegt bereits bei rund 40 Prozent.

Rund 8,7 Milliarden Euro haben die deutschen Verbraucher 2012  für Schnittblumen, Garten- und Zimmerpflanzen ausgegeben – das waren rund 106 Euro pro Kopf.

Viele der zum Valentinstag verschenkten Blumen wurden auf menschenunwürdige Art produziert, sind mit Pestiziden behandelt und gemanipuliert. Die Firmen ersinnen immer neues Saatgut. Blumen erblühen in Farben, die ihnen die Natur nicht zubilligen wollte, und schon wandert z. B. die Frankenstein-Tulpe nach einer langen Reise direkt in die Blumenvase auf den Tisch, wo sie recht lange blühen soll. Ob lila, mit Streifen oder bunt, es gibt nichts, was es nicht gibt. Sogar Monsanto mischt mit, und wer da noch glaubt, die Tulpen seien, wie es das alte  Lied verspricht, aus Amsterdam, auch da müssen wir Sie enttäuschen.

Mehr als 1000 Patente auf Pflanzengene

http://cnx.org/ Screenshot

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Als Pionier im Bereich der grünen Gentechnologie hält Mendel Biotechnology mehr als 1000 Patente auf Pflanzengene. Die Kalifornier haben etwa Gene identifiziert, die für Wachstum und Entwicklung von Pflanzen verantwortlich sind.

Der Markt gentechnisch veränderter Pflanzen wird dominiert von Giganten wie dem US-amerikanischen Monsanto und der Schweizer Syngenta. Mendel arbeitet intensiv mit dem Gentechnik-Riesen Monsanto als Genlieferant zusammen und kann dessen Patente nutzen.

So gibt es auch in Deutschland ein Unternehmen, das mit Monsanto zusammenarbeitet.

Es handelt sich hier um das Stuttgarter Unternehmen Selecta, das bestimmte Gene in die Blumen einbaut, die dann bereits vorhandenes, arteigenes Erbmaterial stimuliert. Monsatoliefert die Technologie zum Einbau der Gene, Mendel die Gene und Selecta den Genpool.

Dazu wurde auch gleich ein neues Unternehmen gegründet – Ornamental Bioscience,  ein neues Joint-Venture-Unternehmen mit Sitz in Stuttgart, an dem die deutsche Selecta-Gruppe und die US-amerikanische Mendel Biotechnology Inc. beteiligt sind. (S. http://www.bioregio-stern.de/de/unsere-dienstleistungen/unternehmensdatenbank/ornamental-bioscience-gmbh)

„Das Unternehmen entwickelt und vermarktet transgene Zierpflanzen. Ornamental Bioscience vereint Mendels technologisches Know-how in den Bereichen Trocken-, Kälte- und Frosttoleranz sowie Krankheitsresistenz mit der Erfahrung von Selecta in Züchtung, Produktion und Vertrieb von Zierpflanzen. Bisher transformiert und testet Ornamental Bioscience Pflanzenarten aus der Selecta-Produktpalette wie Petunien, Poinsettien (Weihnachtssterne), Impatiens Neu Guinea (Fleißige Lieschen) und Pelargonien (Geranien). Nun sollen durch Kooperationen mit anderen Züchtern weitere Arten hinzukommen.

Das Familienunternehmen Selecta Klemm GmbH & Co. KG ist einer der weltweit führenden Züchtungs- und Vermehrungsbetriebe im Bereich vegetativ vermehrbarer Zierpflanzen. In den vergangenen 40 Jahren hat Selecta zahlreiche Patente und Sortenschutzrechte für Schnittblumen, Beet-, Balkon- und Topfpflanzen erworben. Selecta verfügt über weltweit sieben Hauptstandorte mit Produktion, Züchtung und Vertrieb, Stuttgart ist die Zentrale. Mit der Biotechnologie beschäftigt sich Selecta seit 1996. An der Entwicklung der blauen Nelke durch das australische Unternehmen Florigene, die bis heute als einzige transgene Zierpflanze eine Zulassung für die Vermarktung in Europa hat, war Selecta Klemm beteiligt.“

Fazit: Monsanto ist längst in Deutschland aktiv. Der US-Agrarkonzern Monsanto will Deutschland als Markt für gentechnisch verändertes Saatgut vorerst aufgeben. „Wir lassen unsere Pläne ruhen, solange die politische Situation so verfahren ist wie derzeit“, sagte die Deutschland-Geschäftsführerin von Monsanto, Ursula Lüttmer-Ouazane im November 2013. Bereits im August teilte Monsanto mit, der Konzern habe die Akquisition bestimmter Geschäftsbereiche der Dieckmann GmbH & Co. KG abgeschlossen. Die Dieckmann-Gruppe mit Sitz in Niedersachsen ist ein Züchter von Saatgut für den Anbau in West- und Osteuropa. (SAlles nur gelogen! Monsanto gibt Deutschland nicht auf !)

Schattenseite der Blüten: Monokulturen, Ausbeutung und Pestizide

Nicht nur die Pestizidbelastung, auch der hohe CO2-Ausstoß, der damit verbunden ist, spielt mit. Vielen ist das gar nicht bewusst, dass eine große Airline zum Valentinstag 1000 Tonnen Rosen alleine nach Europa fliegt. Das entspricht einer Ladung von zehn Jumbo-Jets. Auch der Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie die Aufzucht in Treibhäusern, die Lagerung der Blumen in einer ununterbrochenen Kühlkette und ihre Verpackung – all das trägt zu einem erhöhten CO2-Ausstoß bei.

Tulpen aus unserem Nachbarland, dem BLUMENLAND NIEDERLANDE

Die Zijpe, der Anna Paulowna Polder und die Koegras zusammen bilden mit über 6000 Hektar Blumenfeldern heute eines der größten Blumenzwiebelanbaugebiete der Welt. Die Felder ziehen sich an der Küste entlang und dehnen sich bis auf die Insel Texel aus. Noch vor 100 Jahren bestimmten hier Wiesen und Kuhweiden das Bild. Daneben pflanzten die Bauern auf kleinen Feldern Getreide und Gemüse für den Eigenkonsum an. Ab 1960 waren die Blumen als billiges Massenprodukt nicht mehr zu stoppen. Auch in anderen Teilen der Niederlande verschwanden die kleinen Felder und Weiden von einst und machten Platz für Schnittblumen.

So schön die bunten Tulpenfelder im Frühling leuchten – ökologisch sind die Monokulturen eine Wüste, in der kaum ein Tier Nahrung oder Obdach finden kann. Zudem erfordern die endlosen Reihen von bunten Blumen stets viel Wasser, Dünger und chemische Pflanzenschutzmittel. Erst sehr langsam nehmen nachhaltige Anbaumethoden heute mehr Raum ein. Noch 2007 fand die Stiftung Warentest in allen von ihr getesteten Rosen Pestizidrückstände, bis zu 16 verschiedene Substanzen an einer Blume. Unter ihnen waren auch Wirkstoffe, die beispielsweise die Weltgesundheitsorganisation WHO als hochgiftig einstuft. Die gefundenen Mengen waren so klein, dass sie für die Käufer kein Gesundheitsrisiko bedeuteten. Für die Arbeiterinnen und Arbeiter in Anbau und Handel ist allerdings ein solcher Pestizideinsatz gefährlich, weil sie den Stoffen täglich und in weit größeren Mengen ausgesetzt sind.

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„Wenn der Frühling kommt, dann schick‘ ich Dir Tulpen aus Amsterdam“. Doch mit den Tulpengrüßen aus Holland könnte es bald vorbei sein, fürchteten 2008 viele holländische  Blumenbauer. Sie seien alarmiert durch eine Studie der Universität Wageningen, in der die Folgen der geplanten neuen EU-Vorschriften für Pflanzenschutzmittel untersucht wurden. Der „Tulpenbauer geht baden“, fasste 2008 die Zeitung „De Telegraaf“ zusammen.

Die EU ließ sich nicht beeinflussen und erließ 2009 die neue Umweltschutzrichtlinie, die den Einsatz zahlreicher Pestizide verbot. Mehr als 120 chemische Stoffe dürfen seitdem nicht mehr eingesetzt werden. Viele davon waren auch in der niederländischen Blumenzucht Standardmittel.

Aber nicht nur Verbote lassen die Blumenanbauer in unserem Nachbarland zittern – denn andere Länder produzieren noch billiger. In den Niederlanden machen die Energiekosten etwa 15 Prozent der Gesamtaufwendungen aus. Etwa ein Drittel muss der Produzent für die Löhne veranschlagen. In Afrika oder Lateinamerika, wo ganzjährig im Freien gearbeitet wird und die Arbeiterinnen und Arbeiter teilweise ohne jeden gewerkschaftlichen Schutz ausgebeutet werden, fällt nur ein Bruchteil dieser Kosten an. Welches Land verbindet man gemeinhin mit Tulpen, mit dem Anbau von Zierpflanzen generell? Sie würden nun sagen, die Niederlande. Aber könnten die Tulpen eine Sprache sprechen, würden sie sich nicht auf holländisch unterhalten. Nein, die Tulpen würden die kenianische Landessprache sprechen.

Wenn Blumen sprechen könnten, dann würden sie von miserablen Arbeitsbedingungen, Hungerlöhnen, Gesundheitsrisiken und ökologischem Desaster in der Blumenindustrie Afrikas und Lateinamerikas berichten.

Was die wenigsten wissen, ist, dass die enorme Menge an Schnittblumen von Kenia aus nach Europa exportiert wird. Seit 1995 hat sich dieser Wert allerdings auch enorm erhöht, um genau zu sein, hat er sich seitdem verdreifacht. Das bedeutet, dass alleine nach Deutschland etwa 500 Millionen Stück pro Jahr an Schnittblumen aus Kenia kommen.

Experten warnen bereits davor, dass für die Produktion dieses Wirtschaftsgutes viel zu viel Wasser verbraucht wird, das an anderer Stelle fehlt. Zudem werde es nach der Verwendung nur unzureichend geklärt.

Die Schnittblumenproduktion wird zum Problem für die Süßwasservorräte

Die meisten Schnittblumen aus Kenia stammen aus einer bestimmten Region im Lande, und zwar aus Naivasha. Dort jedoch sei der Süßwasserspiegel stets großen Schwankungen unterworfen, auch schon ohne die Nutzung für die Schnittblumenproduktion. Da diese nun ständig wächst, droht das Süßwasser aus dem Boden irgendwann zu versiegen. Das hätte katastrophale Folgen für die auch ansonsten fast nur auf Agrarproduktion ausgerichtete Wirtschaft Kenias. Der Naivasha-See könnte austrocknen mit schlimmen Folgen für das Umland.

Auch Ecuador gilt heute als wichtigster Blumenproduzent des Südens. Von Januar bis November 2010 verkaufte das Land laut Angaben der Handelsorganisation Expoflores für 586 Millionen Dollar Pflanzen. 122 000 Tonnen Pflanzen führt das Andenland aus; nach Öl, Bananen und Shrimps sind Blumen heute das wichtigste Exportprodukt geworden, allerdings nicht ohne Folgen.

Wirtschaftlich gesehen mag das eine gute Sache für Ecuador und die dortigen Schnittblumen-Anbauer sein, doch solange die allgemeinen Zustände sich nicht ändern, z. B. der Einsatz von Pestiziden, die Monokultur  u.s. w., überwiegen die Nachteile gegenüber den Vorteilen. Dies gilt auch für Kenia.

Im globalen Konkurrenzkampf schielen alle entsetzt nach China: 2008 wurden in der Provinz Yunnan auf 33.300 Hektar Blumen produziert. Von 42 000 Hektar geht die Verwaltung der Provinz für 2010 aus. Wenn bedacht wird, dass es 2005 noch 16 000 Hektar waren, so hat die Provinz Yunnan ihre Anbaufläche bis heute fast verdreifacht. Zum Vergleich: Der gesamte Tulpenanbau in den Niederlanden nimmt eine Fläche von nur 7500 Hektar ein. Sogar „raubkopierte“ Rosen kommen aus Asien – Blumen, für deren Anbau Lizenzgebühren zu zahlen wären. Am Flughafen Schiphol allein vernichtet der niederländische Zoll jährlich Rosen im Wert von einer Viertelmillion Euro.

Nur jede fünfte Blume davon ist in Deutschland gewachsen – 80 % der in Deutschland verkauften Schnittblumen werden über die Niederlande importiert, aus Kenia, Ecuador, Kolumbien, Simbabwe oder Tansania. Die Produktionsbedingungen in den Ländern des Südens lassen häufig zu wünschen übrig: Überwiegend Frauen schuften in der  internationalen Blumenproduktion. Sie verdienen oft nur Hungerlöhne, haben keine festen Arbeitsverträge und sind den Belastungen durch Pflanzenschutzmittel ausgesetzt.

Rosen mit dem Fairtrade-Siegel schreiben Erfolgsgeschichte:

Seit ihrer Einführung 2005 stiegen die Absatzzahlen kontinuierlich, aber das Jahr 2012 brach alle Rekorde, meldet der Verein TransFair, der das Fairtrade-Siegel für fair gehandelte Produkte vergibt. Demnach wurden in Deutschland gut 260 Millionen faire Rosen verkauft. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von mehr als 200 Prozent. Der Marktanteil beträgt inzwischen knapp 20 Prozent.

Aber auch Billig-Blumen sind auf dem Vormarsch. Den bunten Strauß suchen sich viele Verbraucher mittlerweile lieber beim Discounter zwischen Müsli und Toilettenpapier aus, statt in den Fachhandel zu gehen.

Billig-Rosen: Afrikaner zahlen mit ihrer Gesundheit

Müssen es unbedingt Blumen sein, z. B. zum Valentinstag? Manchmal reichen auch liebe Worte. Und zu den Tulpen: Der nächste Frühling kommt bestimmt.

Netzfrau Doro Schreier

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